Höchster Stand seit 2004

Mehr Einbrüche: Polizeigewerkschafter hält Personaldecke in Hessen für zu dünn

Kassel/Wiesbaden. Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist bundesweit um fast zehn Prozent gestiegen - in Hessen hat die Zahl der Einbrüche in Häuser und Wohnungen den höchsten Stand seit 2004 erreicht.

Über 11 500 Einbruchsversuch wurden 2015 gezählt. Die Zahl stieg um 617 Fälle und damit um 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Über diese Entwicklung sprachen wir mit Andreas Grün, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei in Hessen (GDP).

Herr Grün, die Bürger in Hessen machen sich angesichts steigender Einbruchszahlen Sorgen. Wie kommt es zu dieser Entwicklung? 

Andreas Grün: Deutschland und auch Hessen sind verstärkt Ziel von osteuropäischen Einbrecherbanden geworden. Dass Deutschland als Zielort ausgewählt wird, hat ganz offensichtlich auch etwas mit der Personalausstattung und damit der Präsenz der Polizei in der Öffentlichkeit zu tun. Die Banden nehmen wahr, dass die Personaldecke sehr dünn ist. Das heißt im Umkehrschluss für diese Banden: Sie laufen bei ihren Streifzügen nicht Gefahr, in eine Polizeikontrolle zu geraten.

Welche Gegenden sind besonders gefährdet? 

Grün: Autobahnnähe spielt eine Rolle - das konnten wir feststellen. In Südhessen hat man dort eine Zunahme von Einbruchsdelikten festgestellt. Nur beim Odenwaldkreis, der keine Autobahnanbindung hat, gingen diese Taten zurück. Auch für Nordhessen gilt: Je näher ich an einer Autobahn bin, desto gefährdeter ist die Gegend.

Von ihrer Gewerkschaft heißt es: Wir brauchen mehr Personal, um auch Einbrecher durch verstärkte Präsenz abzuschrecken zu können. Reicht das alleine aus? 

Grün: Nein, Präsenz reicht alleine nicht. Aber ohne eine erhöhte Präsenz, um den Fahndungs- und Kontrolldruck zu erhöhen, wird es nicht gehen.

Was versprechen Sie sich von mehr zufällig angesetzten Kontrollen? 

Grün: Wohnungseinbrüche werden immer mehr von professionellen Banden durchgeführt. Sie verbringen im Schnitt nur noch drei Minuten in der Wohnung und hinterlassen wenig Spuren. Die Ermittlungsansätze für die Polizei sind also sehr gering. Deshalb müssen wir uns auf andere Methoden stützen, zum Beispiel mehr Druck durch zufällige Kontrollen aufzubauen.

Es zeigt sich immer wieder: Je weniger zufällig Kontrollen durchgeführt werden, desto mehr steigt die Zahl dieser Delikte. Am Ende löst aber nur eine Kombination aus verschiedenen Ansätzen das Problem: bessere Sicherung des Hauses, mehr Personal, besserer Informations- und Datenaustausch auf europäischer Ebene.

Das Land Hessen hat 300 neue Anwärterstellen, also Polizisten in der Ausbildung, geschaffen. Hinzu kommen 100 Wachpolizisten. Reicht das? 

Grün: Die Zahlen stimmen. Das Problem ist: Es dauert drei Jahre, bis diese 300 neuen Beamten einsatzbereit sind. Schließlich befinden sie sich in der Ausbildung.

Sie fordern stattdessen 1000 neue Stellen. Warum? 

Grün: 300 Stellen reichen nicht. Wenn Sie in jeder Polizeistation in Hessen im Rund-um-die-Uhr.Dienst einen Polizisten zusätzlich haben wollen, braucht man schon 600 neue Beamte. Wenn die Bereitschafts- und Kriminalpolizei entlastet werden soll, brauchen wir 1000 Stellen. Dann wäre man in der Lage, das Problem der Wohnungseinbrüche intensiver anzugehen.

Zur Person:

Andreas Grün, (54), ist seit 1977 bei der Polizei. 2014 übernahm er den Landesvorsitz der Gewerkschaft der Polizei Hessen. Grün wuchs im Vogelsbergkreis auf, wo er auch lebt. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter.

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