Thilo Sarrazin: Finanzfachmann, Provokateur, Buch-Millionär - ein Porträt

Thilo Sarrazin

Berlin. Thilo Sarrazin ist harsche Kritik gewohnt. Mehr noch, der 67-Jährige genießt die hitzige Debatte, die um sein Buch „Europa braucht den Euro nicht“ entbrannt ist: Sarrazin nutzt die Empörung als Werbeträger für seine Bücher.

Wie bei seinem Werk „Deutschland schafft sich ab“, dass ihn 2010 zum Millionär machte. 1,5 Millionen Exemplare der gebundenen Fassung wurden bis Anfang 2012 verkauft, beflügelt von dem Streit zwischen Befürwortern und Kritikern Sarrazins. Ein lukratives Geschäft wird sich der studierte Volkswirt auch mit der Veröffentlichung von „Europa braucht den Euro nicht“ ausgerechnet haben. Anders als mit „Deutschland schafft sich ab“, bewegt sich der Finanzexperte mit seiner Euro-Kritik diesmal auf vertrautem Terrain.

Nach seiner Promotion in Bonn (1973, magna cum laude) und jahrelanger Arbeit im Bundesfinanzministerium begann Sarrazins zielstrebiger Aufstieg mit der Leitung des Ministerbüros 1981. 1989 machte ihn Finanzminister Theodor Waigel neben dem damaligen Staatssekretär und späteren Bundespräsidenten Horst Köhler zum Federführer der innerdeutschen Währungsunion. Das 14-seitige Eckpunkte-Papier zur Einführung der D-Mark in der DDR trägt Sarrazins Handschrift.

Im Mai 1991 wurde der in Gera geborene Sarrazin rheinland-pfälzischer Staatssekretär für Finanzen und machte als Sanierer der öffentlichen Verwaltung von sich reden. 1997 kehrte er als Geschäftsführer der Treuhandliegenschaftsgesellschaft nach Berlin zurück, wo sein Vertrag im Jahr 2000 nach Konflikten mit Bundesfinanzminister Hans Eichel nicht verlängert wurde.

Sarrazin wechselte zur Deutschen Bahn AG, wurde Leiter der Konzernrevision, stieg im Dezember 2000 in den Vorstand um Bahnchef Hartmut Mehdorn auf - und verließ die Bahn ein Jahr später im Streit, nachdem er scharfe Kritik am Bahnmanagement geäußert hatte.

Im Januar 2009, zuvor hatte Sarrazin als Leiter des Finanzressorts im Berliner Senat Einsparungen von fast 600 Millionen Euro im hochverschuldeten Haushalt durchgesetzt, wechselte Sarrazin in den Vorstand der Deutschen Bundesbank. Am 9. September 2010 bat er den Bundespräsidenten, ihn von diesem Amt zu entbinden. Er gab damit dem massiven Druck nach, der nach seinen Äußerungen unter anderem über mangelnde Integrationsfähigkeit von Migranten entstanden war.

Sarrazin hat mit seiner Frau Ursula zwei Kinder und wohnt mit der Familie in Berlin. Seit einer Ohr-Operation 2004 ist seine rechte Gesichtshälfte größtenteils gelähmt.

Von Sebastian Lammel

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