Im Porträt: Vasilios Skouris, der Euro-Richter

Spricht fast akzentfrei Deutsch: Vassilios Skouris, Präsident des Gerichtshofs der Europäischen Union (EuGH), studierte in Berlin und Hamburg. Foto:  dpa

Brüssel. Vasilios Skouris weiß, wie kurios das Zusammentreffen am 16. Juni ist: Dann wird er das Urteil über die wichtigste Säule des Anti-Krisen-Programms der Europäischen Zentralbank verkünden.

Nämlich die heftig diskutierten Staatsanleihenkäufe der EZB. Es ist das erste Mal, dass das höchste EU-Gericht über die Frankfurter Euro-Banker entscheidet. Zugleich betont der 67-jährige Sohn einer Juristenfamilie aus Thessaloniki, die Entscheidung sei keineswegs von ihm beeinflusst. Das gehört zur Korrektheit des Mannes, der dem Gericht seit 2003 vorsteht und am 6. Oktober sein Amt abgibt.

Doch bis dahin wird Skouris das Richteramt ausüben, von dem er sagt, es sei ein Job, „von dem man eigentlich nur träumen kann“. Er studierte als Stipendiat des Deutschen Akademischen Austausch-Dienstes (DAAD) in Berlin und erwarb an der Uni Hamburg seinen Doktor- und Professorentitel. Zwischen 1989 und 1996 gehörte er mehrfach als Innenminister Athener Regierungen an.

Im Europarecht fühlt er sich zu Hause. Mit dem Präsidenten des Bundesverfassungsgerichtes in Karlsruhe, Andreas Voßkuhle, kreuzt er bei Veranstaltungen die Klinge: Hier der Lordsiegel-Bewahrer des deutschen Grundgesetzes, dort der Richter, der über das Gemeinschaftsrecht wachen muss. „Der Gesetzgeber trifft auch mal Regelungen, die letztlich unvereinbar miteinander sind“, sagt er. Dann müsse der EuGH für Klarheit sorgen. Das hat er getan, beispielsweise mit Urteilen zu gleichen Tarifen für Männer und Frauen bei Versicherungen.

Das Urteil zu den Anleihenankäufen der EZB nennt Skouris „eine ganz wichtige Angelegenheit“. Die Kläger erhoffen sich vom EuGH Munition gegen die Entscheidung der Bundesregierung, den Beschluss der EZB mitzutragen. Dass das alles vor dem Hintergrund der Auseinandersetzungen um die Zukunft Athens abläuft, weiß Skouris. Der Grieche, der nahezu akzentfrei Deutsch spricht, kennt die unterschiedlichen Traditionen in Europa. Er weiß, dass die Bundesbürger mit der starken Unabhängigkeit einer Bundesbank groß geworden sind. „Für viele Staaten war das vor der EZB völlig unbekannt“, sagte er. In wenigen Tagen, auch das hört man aus Luxemburg, werde ein Urteil ergehen, das nicht nur weise, sondern vor allem europarechtskonform sein muss.

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