Sonntagspost gestoppt

Post-Streik: Was Politik, Gerichte, Handel und Verbraucher beschäftigt

Die Spuren des knapp drei Wochen andauernden Poststreiks werden tiefer. Der Ausstand hat Folgen, die mancher nicht im Blick hatte. Eine Auswahl.

Streit um Sonntagsarbeit: Die Deutsche Post sucht bundesweit Freiwillige, die am Sonntag liegengebliebene Sendungen zustellen. Vergangenes Wochenende sollen so allein in Niedersachsen 1000 Paketzusteller im Einsatz gewesen sein – für Sonderzuschläge und 100-Euro-Einkaufsgutscheine, so die Hannoversche Allgemeine Zeitung. Jetzt hat das Land die Aktion „Sonntag wird Deutschland Gelb“ verboten, droht mit Bußgeldern. „Ein rechtmäßiger Streik darf nicht durch rechtswidrige Maßnahmen unterlaufen werden“, sagte Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) gestern. Sonntagszustellung sei auf Antrag nur zulässig, wenn die Post nachweise, dass eine Lieferung werktags unmöglich sei. Dem sei nicht so - Streik hin, Streik her. „In einigen Regionen“ will die Post dennoch morgen zustellen.

Mit dem Arbeitskampf will die Gewerkschaft Verdi vor allem erreichen, dass Post-Gesellschaften mit geringerer Bezahlung im Paketgeschäft wieder in den regulären Haustarif kommen.

Suche nach Blutspendern: Das Rote Kreuz macht den Poststreik für sinkende Blutspenden verantwortlich: acht Prozent weniger als erwartet in den zurückliegenden sieben Tagen. Einladungen zu Spendeterminen kämen zu spät. Einzelne Blutgruppen könnten schon jetzt nicht ausreichend versorgt werden, hieß es vom Blutspendedienst für Niedersachsen, Bremen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Peinlicher Pünktlichkeitstest: Trotz Streiks kommen rund 80 Prozent der Briefe und Pakete pünktlich an. Sagt die Post. Der NDR hat das getestet, 100 Briefe mit Zielen im Norden und Osten eingeworfen. Peinlich: Nach drei Werktagen waren nicht 80, sondern erst 38 Briefe beim Empfänger eingetroffen. Angst vor Abwertung: Zwei von drei Onlinehändlern klagen laut Umfrage ihres Verbandes über Umsatzverluste. Sorgen machen Händlern auch schlechte Online-Bewertungen durch Lieferverzögerung.

Postrückgabe gefordert: Das Kölner Unternehmen Studimed hat per einstweiliger Verfügung die Herausgabe liegengebliebener Sendungen gefordert. Die Firma vermittelt Medizin-Studienplätze im Ausland. Da laufen Fristen ab - Ende Juni etwa für einen Bewerber, der in Litauen studieren will. Dessen beglaubigte Originalunterlagen will Studimed von der Post zurück.

Streik vor Gericht: Die Frage, ob die Post Beamte gegen deren Willen als Streikbrecher einsetzen darf, beschäftigt weiter die Justiz – nächste Woche das Arbeitsgericht Bonn.

Was liegen blieb: 

• Urne in einem Bremer Paketlager - Beisetzung verschoben

• Alle Post für den Landtag Mecklenburg-Vorpommern –größere Sendungen holte jetzt ein Landtagskurier im Paketzentrum ab.

• Briefe eines Nürnberger Verlags: Dessen Chef marschierte nach zwei Wochen zu seinem Zustellstützpunkt. Die Tür stand offen – der Mann wühlte sich unentdeckt eine halbe Stunde lang durch Postberge. Er wurde fündig - nun droht eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs. Quellen: NDR, Focus, tz

Wenn nichts mehr ankommt: Tipps für Postkunden

Haftet die Post?

Streiks werden juristisch als „höhere Gewalt“ behandelt. Für Laufzeitverzögerungen, die sich auch bei größter Sorgfalt nicht vermeiden lassen, und durch Umstände entstehen, die nicht durch das Unternehmen zu vertreten sind, etwa Streik, schließt die Deutsche Post eine Haftung in ihren Geschäftsbedingungen aus.

Und Expresssendungen?

Für die verspricht die Post feste Laufzeiten, schließt aber Haftung bei Streiks aus. Immerhin heißt es bei der Post, Expressendungen seien nicht vom Streik betroffen.

Rechnung zu spät gezahlt?

Zahlungsfristen bei Privatpersonen beginnen in der Regel erst, wenn sie die Rechnung erhalten. Wer die Rechnung schickt, muss sicherstellen, dass diese pünktlich ankommt. Wenn die eigene Zahlungsverzögerung Folge des Streiks ist, muss niemand Mahngebühren zahlen, heißt es in den Tipps für Postkunden des NDR.

Was ist mit Kündigungsfristen?

Risiko liegt beim Versender: Wer wegen Streiks mit seiner brieflichen Kündigung etwa eines Mobilfunkvertrags zu spät kommt, muss für die dann verlängerte Laufzeit zahlen, warnt die Verbraucherzentrale NRW. Ihr Tipp: Andere Versender nutzen oder – sofern nicht Originalunterschriften erforderlich sind – Fax mit Übermittlungsprotokoll.

Wo wird gestreikt?

Das beantwortet die Post für Empfänger und Absender postleitzahlengenau hier.

Rubriklistenbild: © dpa

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.