Stichwahl am Sonntag 

Präsidentenwahl in der Ukraine: Amtsinhaber und Komiker bereiten Stadion-Duell vor

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Petro Poroschenko, Präsident der Ukraine, bei einer Debatte.

Geht es nach einer Umfrage, dürfte der Sieger der Ukraine-Wahl bereits feststehen. Vor der Stichwahl am Sonntag zeigt sich vor allem ein Kandidat siegessicher. 

Kiew - Vor der Präsidentenwahl in der Ukraine bereiten sich Amtsinhaber Petro Poroschenko und der Komiker Wolodymyr Selenskyj auf ein noch nie so da gewesenes Rede-Duell im Olympia-Stadion vor. Dabei gab es weiter Streit über den genauen Ablauf der Show am Freitagabend in der Arena mit 70.000 Plätzen, wie Medien in Kiew am Mittwoch berichteten. Angesetzt ist das von dem Showman Selenskyj vorgeschlagene Novum im Wahlkampf um 19 Uhr Ortszeit (18 Uhr MESZ). Beide Kandidaten stehen für einen prowestlichen Kurs des Landes.

Präsidentenwahl in der Ukraine: Poroschenko will notfalls Niederlage akzeptieren 

In sozialen Netzwerken wies der Schauspieler Selenskyj Pläne des Poroschenko-Lagers zurück, die Kandidaten auf zwei getrennten Bühne im Stadion auftreten zu lassen. „Wo haben Sie denn so etwas schon einmal auf der Welt gesehen?“, fragte er. Zugleich sprach sich der 41-Jährige für die Einrichtung einer Fan-Meile in dem 2012 auch zur Fußball-Europameisterschaft genutzten Stadion aus. Die Kartenvergabe lief bereits an.

Der Komiker Selenskyj ist durch die Comedyserie „Sluha Narodu“ - auf Deutsch: „Diener des Volkes“ - populär geworden. Dort spielt er bereits seit Jahren einen erfolgreichen Präsidenten, der mutig gegen die korrupte Machtelite des Landes kämpft. Selenskyj hatte sich mit 30,24 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang am 31. März unter 39 Kandidaten durchgesetzt. Poroschenko kam auf 15,95 Prozent der Stimmen. Obwohl Petro Poroschenko im Falle einer Niederlage die Wahl des Volkes akzeptieren will, zeigt sich der Präsident wenig begeistert von der Beliebtheit seines Konkurrenten. 

Ukraine stimmt am Sonntag ab: Bekommt das Volk einen neuen Präsidenten? 

Auch wenn der Sieger der Wahl laut Umfrageergebnissen bereits feststeht und alles für einen Sieg des Komikers sprechen würde, ist der endgültige Ausgang der Wahlen keinesfalls sicher. Experten vermuten, viele Wähler könnten sich kurzfristig erneut für das Staatsoberhaupt entscheiden und somit den Ausgang der Wahlen komplett drehen. Poroschenko selbst zeigt sich bereits jetzt von der „harten Lehre“ des Volkes einsichtig und betont, er habe „klar das Signal der Gesellschaft vernommen“. 

Rund fünf Jahre regiert Petro Poroschenko bereits das Land, während Komiker und Schauspieler Wolodymyr Selenskyj vor allem durch seine Darstellung als Präsident innerhalb einer Serie berühmt wurde. In der TV-Produktion „Diener des Volkes“ kämpfte sich Selenskyj vom Lehrer zum Staatsoberhaupt, eine Vorstellung, die vielen Zuschauern auch in der Realität gefallen würde. Die ukrainischen Wahlen entwickeln sich jedoch zu einer regelrecht unseriösen Schlacht. Nachdem sich Wolodymyr Selenskyj bislang vor TV-Interviews und Auftritten bei Veranstaltungen drückte, pocht der Komiker nun selbst auf das Duell in der Arena. 

Auch der vor kurzem absolvierte Dopingtest der beiden Kandidaten dürfte die Diskussionen um die beiden Präsidentschaftskandidaten anheizen. Als sich dann vor wenigen Tagen Boxer Wladimir Klitschko zu Wort meldete und einen zweiten, unabhängigen Drogentest bei der Live-Veranstaltung im Stadion forderte, schien der Wahlkampf einen neuen Höhepunkt zu erreichen. Schließlich ist Wladimir Klitschko nicht nur Boxer, sondern auch der Bruder des Bürgermeisters von Kiew, Vitali Klitschko. Der 43-Jährige kritisiert vor allem die Durchführung der Tests. Demnach hätten sich beide Kandidaten zwar einem Test unterzogen, jedoch bei einem Arzt ihrer Wahl. Die Ergebnisse seien dann bereits kurz nach den jeweiligen Tests bekannt gegeben worden.

Wolodymyr Selenskyj, ein beliebter Komiker, der den ukrainischen Präsidenten Poroschenko in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen weit hinter sich ließ.

Wladimir Klitschko fordert erneuten Drogentest von Präsidentschaftskandidaten 

Für Klitschko eine unfassbare Tatsache, weiß der Boxer doch selbst am besten, dass Dopingtests keinesfalls so schnell ausgewertet werden könnten. Der Bruder des Bürgermeisters von Kiew erklärt im Interview mit der Bild: „Die Kosten für die Tests werde ich übernehmen. Für mich gilt: Frage nicht, was das Land für dich tun kann, sondern frage dich, was du für das Land tun kannst.“ Ob die beiden Präsidentschaftskandidaten der Aufforderung am Freitag nachgehen werden, ist unklar. 

Am Sonntag entscheidet sich dann, wer schon bald seinen Amtseid ablegen und das ukrainische Volk anführen wird. Rund 30 Millionen Wahlberechtigte sind am Sonntag zur Wahl eines neuen Staatsoberhauptes für die kommenden fünf Jahre aufgerufen.

Währenddessen fordert Angela Merkel die Freilassung von Russland festgenommenen Matrosen. 

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