Preisverfall trifft Wintershall: Öl- und Gasförderer tritt bei Aktivitäten auf die Bremse

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Gas aus Argentinien: Das südamerikanische Land wird für Wintershall immer wichtiger. Die Förderung lohnt auch bei niedrigen Preisen.

Kassel. Der Kasseler Erdöl- und Gasförderer Wintershall hält sein Geld zusammen: Die Preise für die Energierohstoffe sind seit über einem Jahr im Keller, die Bilanz zeigt Bremsspuren.

Bis zu 200 Millionen Euro will die BASF-Tochter deshalb in diesem Jahr einsparen, kündigte Vorstandschef Mario Mehren gestern bei der Bilanzvorlage in Kassel an. Finanzchef Ties Tiessen sieht sogar noch Luft nach oben.

Die Betriebsausgaben werden unter die Lupe genommen, neue Projekte in teuren Ländern vertagt: „Wir bohren weniger“, sagt Mehren. Trotzdem will Wintershall bis 2020 rund 4,8 Milliarden Euro in den Ausbau der Öl- und Gasaktivitäten investieren. Eine Milliarde Euro ist für dieses Jahr geplant, 28 Prozent weniger als 2015. Das Geld fließt in günstige Förderregionen wie Russland und Argentinien.

Zwar lieferte Wintershall auch 2015 wieder einen Überschuss von rund einer Milliarde Euro an die Konzernmutter BASF ab, aber Mehren hat an das laufende Jahr nur gedämpfte Erwartungen: „2016 wird ganz sicher nicht das Jahr neuer Rekorde.“ Trotz der geplanten Produktionsausweitung würden der Umsatz und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern, ohne Sondereinflüsse, deutlich sinken.

Im vergangenen Jahr war der Umsatz, wie berichtet, um 14 Prozent auf knapp 13 Milliarden Euro geschrumpft. Der vollständige Abschied vom Speichergeschäft und dem Gashändler Wingas, der im vierten Quartal komplett an die russische Gazprom gegangen war sowie der Preisverfall drückten die Zahlen. Der Gewinn litt unter einer Abschreibung von 636 Millionen Euro. Das meiste davon stammt aus Wertminderungen von Öl- und Gasprojekten. Die Förderung stieg um 13 Prozent auf eine Menge, die 153 Millionen Barrel (à 159 Liter) Öl entspricht.

Im laufenden Jahr rechnen die Kasseler mit einem durchschnittlichen Ölpreis von 40 Dollar je Barrel und einem Eurokurs von 1,10 Dollar. Umgerechnet wäre ein Fass Rohöl der Sorte Brent damit im Jahresdurchschnitt 36,36 Euro wert, aktuell wird es für 34,60 Euro gehandelt. Auf ein wichtiges Projekt hat Wintershall indes keinen direkten Einfluss: Um den geplanten Bau der Ostsee-Gasleitung Nord Stream 2 von Russland nach Deutschland wird in der EU gerangelt. Osteuropäische Länder fürchten um ihre Einnahmen aus der Gasdurchleitung. Wintershall steigt bei dem Großprojekt, das die Kapazitäten von Nord Stream 1 auf 110 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr verdoppeln soll, mit zehn Prozent ein. Das Engagement ist verständlich: Die gemeinsame Gasförderung mit der russischen Gazprom in Sibirien ist ein wichtiger Pfeiler im Geschäft – und für Exportgas werden höhere Preise erzielt als für im Inland abgesetzte Mengen.

Um das ankommende Nord-Stream-Gas weiterzuverteilen, ist voraussichtlich eine neue Pipeline von Nord nach Süd nötig. Ihr Bau könnte auf den Netzbetreiber Gascade zukommen. Er gehört je zur Hälfte der Wintershall-Mutter BASF und Gazprom.

So läuft das Geschäft weltweit

Russland: Schwerpunktregion dank der Partnerschaft mit Gazprom. Die Förderung im sibirischen Juschno Russkoje läuft auf Hochtouren. Ein neues Feld in der sogenannten Achimov-Formation steigerte die Gasförderung 2015 um 48 Prozent. Nordsee: In den Niederlanden ist Wintershall einer der größten Gasproduzenten, in Norwegen wird die Produktion ausgebaut. Libyen: Die Lage im Land ist schwierig. In der Wüste wurde nur an 125 Tagen Öl gefördert, das Offshore-Feld Al Jurf produzierte durchgängig. Deutschland: Das meiste Öl kommt aus dem Wattenmeer, das meiste Gas aus Niedersachsen. Dort will Wintershall Gas mit dem umstrittenen Fracking fördern. Doch ein Bundesgesetz lässt auf sich warten.

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