Ziel: In sechs Jahren schuldenfrei

Private Überschuldung steigt: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Die private Überschuldung steigt: Allein in der Region können nach Zahlen der Wirtschaftsauskunftei Creditrefom über 120.000 Menschen ihre finanziellen Verpflichtungen nicht mehr erfüllen. Einen Ausweg bietet oft die Privatinsolvenz.

Einen Ausweg bietet oft die Privatinsolvenz. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:

Wann gilt eine Privatperson als überschuldet? 

Verbraucherschützer sprechen von einer Überschuldung, wenn nach Abzug der wichtigsten Lebenshaltungskosten nicht genug Geld bleibt, um Zahlungsverpflichtungen pünktlich zu erfüllen.

Wie kommt es überhaupt zu einer Überschuldung? 

Hauptgründe sind der Verlust des Arbeitsplatzes und die Schuldenlast aufgrund einer Scheidung oder dem Tod des Partners. Manche Personen verlieren den Überblick über ihre Finanzen oder haben einfach einen engen finanziellen Rahmen. Oft reiche etwa eine hohe Rechnung des Energieversorgers, um in finanzielle Not zu geraten, sagt Caritas-Schuldnerberaterin Birgit Branß.

An wen wende ich mich in einer solchen Situation? 

Kostenlose Beratung bieten die Sozialämter der Kommunen sowie Schuldnerberatungen. Ansprechpartner sind zum Beispiel das Diakonische Werk, der Caritasverband, das Deutsche Rote Kreuz oder die Arbeiterwohlfahrt (AWO).

Wie schnell bekomme ich einen Termin? 

Bei Schuldnerberatungsstellen öffentlicher Träger bekommt man relativ kurzfristig einen Termin. Beim Caritasverband in Kassel zum Beispiel innerhalb von zwei Wochen, sagt dessen Schuldnerberaterin Birgit Branß.

Wie kommt es zu einem Insolvenzverfahren? 

Der Schuldner muss beim Insolvenzgericht in seiner Heimatregion Privatinsolvenz beantragen. Voraussetzung dafür ist, dass der Schuldner zuvor versucht hat, sich außergerichtlich mit den Gläubigern zu einigen.

Was ist das Ziel eines solchen Verfahrens? 

Die Gläubiger des Schuldners sollen befriedigt werden und dem Schuldner soll die Möglichkeit gegeben werden, sich von seinen Schulden zu befreien.

Wie läuft ein Insolvenzverfahren ab? 

Ist ein außergerichtlicher Einigungsversuch gescheitert, wird mit Hilfe eines Gerichts ein Schuldenbereinigungsplan aufgestellt. Erst, wenn sicher ist, dass der Schuldner diesen nicht einhalten kann oder die Gläubiger dem Plan nicht zustimmen, kommt es zum Gerichtsverfahren. Ein Treuhänder stellt dann Einkommen, Geld- und Sachwerte fest. Pfändbares wird unter den Gläubigern verteilt. Der Schuldner stellt einen Antrag auf Restschuldbefreiung und hat maximal sechs Jahre Zeit, um seinen Teil der Schulden abzuzahlen.

Wie werden die zu zahlenden Raten festgelegt? 

Die Raten richten sich nach dem Nettoeinkommen des Schuldners und sind in der Pfändungstabelle einzusehen: Jeder muss nur so viel zahlen, wie er kann.

Wer bezahlt, wenn die Person nicht zahlungsfähig ist? 

In diesem Fall haben die Gläubiger Pech, sagt der Kasseler Rechtsanwalt Gotthard Brand. Die Kosten des Verfahrens trägt in manchen Fällen der Staat.

Wann ist das Insolvenzverfahren abgeschlossen? 

Wenn der Schuldner alle Rückstände bei seinen Gläubigern beglichen hat und das Gericht die Restschuldbefreiung erteilt. Voraussetzung dafür ist, dass er sich nichts Neues hat zu Schulden kommen lassen.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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