Pro und Kontra zu Fitness-Apps: Sollen Krankenkassen Daten auswerten?

Krankenkassen haben den Trend zu Fitness-Programmen fürs Smartphone erkannt und nutzen die Daten ihrer Kunden. Dazu ein Pro und Kontra aus der HNA-Nachrichtenredaktion.

Pro:Max Holscher (31) sieht in der Weitergabe von Daten einen Ansporn für Fleißige.

"Jede Woche quäle ich mich wie viele andere Deutsche ins Fitnessstudio oder gehe joggen. In der Kantine wird statt Currywurst mit Pommes Reis mit fettarmem Putenfleisch gewählt. Ja, also warum nicht? Wenn ich schon mehrfach den Schweinehund überwinde, während andere zu Hause die Chips in sich reinschaufeln, warum sollte ich nicht davon profitieren?

Qualität kommt von Qual – dieser Spruch trifft in vielen Lebenslagen zu. Quäle ich mich ein wenig mehr, lege noch ein Gewicht auf, verzichte ein wenig mehr auf die Schokolade, kommt das meiner Gesundheit zu Gute – so zumindest die Hoffnung. Davon will ich profitieren und zwar nicht nur gesundheitlich. Sollen die Krankenkassen doch meine Daten bekommen, wenn ich mit einem günstigeren Tarif belohnt werde. Ich tue schließlich etwas dafür. Dies gilt umso mehr, da Volkskrankheiten wie Übergewicht und damit verbundene Folgekrankheiten teilweise selbstverschuldet sind.

Das komplette System des Sozialstaats und der Solidarität wird damit nicht aus den Angeln gehoben. Schließlich werden manche Menschen krank, ohne dass sie etwas dafür können. Sie dürften nicht noch zusätzlich durch die Kasse bestraft werden. Die Datenweitergabe kann deshalb vor allem als Ansporn dienen. Nach dem Motto: Bewegung lohnt sich."

Kontra: Tibor Pézsa (54) hält die Weitergabe von Daten an Versicherungen für kurzsichtig

Wenn es ein Prinzip gibt, warum Menschen im Lauf der Evolution alle Widrigkeiten überwunden haben, dann ist es das Prinzip Solidarität: Alle für einen, einer für alle. So lassen sich weitaus mächtigere Gegner bezwingen, so lassen sich schwerste Rückschläge bewältigen. Genau das ist das Prinzip unseres Sozialstaates und auch der Krankenversicherungen.

Es kann nur denjenigen als lästig erscheinen, die nie auf Hilfe durch andere angewiesen waren. Wer jung und sportlich ist, der erliegt leichter dem Irrglauben, er brauche die anderen nicht oder höchstens nur mal kurz. Ein paar Jahre weiter, auch mit mehr Verantwortung, etwa für eine Familie, ist man klüger. Genau deswegen sollte man auch hellhörig werden, wenn das Solidarprinzip in Frage gestellt wird. Und das wird es mit der Anrechnung persönlicher Daten. Denn die können auch sehr schnell erweisen, dass man plötzlich doch zu den Schwachen und Kranken gehört. Und dann?

Nichts dagegen, dass Freizeitsportler auch mal gelobt werden wollen. Alles dagegen, dass sie zwar Prämien fürs Laufen kassieren wollen, dann aber die ruinierten Gelenke der Versichertengemeinschaft in Rechnung stellen. Entweder, oder! Schulterklopfen für sportliche Schwitzer reicht. Fitnessarmbänder braucht kein Mensch.

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