Notfalls mit Navi unterwegs: Britta Grund ist eine der wenigen blinden Pastoren, die eine Gemeinde betreuen

Blinde Pastorin: „Probleme haben Sehende auch“

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„Enorme Bereicherung“: Pastorin Britta Grund in der St. Thomas-Kirche in Helmstedt.

Helmstedt. Ein Schreibtisch, ein Bücherregal, ein Besuchertisch - das Büro der Pastorin Britta Grund ist nur spärlich möbliert. So kann sich die 36-Jährige besser zurechtfinden - sie ist seit Geburt blind. „

Viele Blinde werden Masseure, aber ich wollte nach dem Abitur auch studieren“, sagt sie. Glaube und Religion fand sie schon immer interessant, also lag das Studium der Theologie nah.

Ob bei einer Trauung, Beerdigung oder bei Hausbesuchen, der Alltag als Gemeindepastorin in der Thomas-Gemeinde in Helmstedt birgt Schwierigkeiten für die blinde Frau. Sie ist eine der wenigen blinden Geistlichen, die eine Gemeinde betreuen. Selbstbewusst nimmt sie die Herausforderung an: „Probleme gibt es immer, die haben Sehende auch“, stellt sie klar.

Wege als größtes Problem

„Das größte Problem ist, von A nach B zu kommen“, sagt sie. „Wo andere selbst fahren, muss ich eben ein Taxi nehmen.“ Anders als bei einem Bürojob müsse sie sich ständig neue Wege und Räume erschließen. Das gelte in Helmstedt umso mehr, da dort vier Gemeinden zusammenarbeiten, und auch Britta Grund in allen vier Kirchen predigt. „In einer Kirche ist gerade der Altarraum neugestaltet, ich werde die ruhigere Sommerzeit nutzen und dort den Weg von der Kanzel zum Altar zu üben“, erzählt sie.

Kürzere Wege erledigt sie zu Fuß mit ihrem Blindenstock oder auch mit einem Navi für Fußgänger: „Wenn das keinen Satellitenempfang hat, erzählt es aber auch mal Unfug“, lacht die junge Frau. Sie nutzt auch andere technische Hilfsmittel wie einen Scanner, der die Post in Blindenschrift übersetzt. Doch oft sei ihr die Hilfe von anderen lieber: Ihre Assistentin könne doch schneller feststellen, wenn es sich bei einem Brief nur um Werbung handele.

Da sie weder Mimik noch Gestik mitbekomme, seien manche Gespräche nicht einfach. „Ich sehe die Reaktionen ja nicht“, sagt sie. Wie die meisten Blinden habe sie jedoch ein gutes Gehör und Gespür, auch Nuancen etwa beim Tonfall bekäme sie mit.

Dennoch gibt es Situationen, in denen sie beim Gottesdienst Hilfe benötigt. „Wenn ich bei einer Trauung die Hände der Brautleute zusammenführen möchte, muss jemand meine Hände lenken.“ Auf Friedhöfen sei die Orientierung oft schwer, und unebene Wege stellten ein besonderes Hindernis dar. Doch meist finde sich ein Helfer. Noch läuft ihre Probezeit, die wegen ihres Handicaps um ein Jahr verlängert wurde. „Anfangs war ich skeptisch“, erinnert sich ihr Vorgesetzter Probst Detlef Gottwald. Doch nun sehe er in Britta Grund eine enorme Bereicherung für die Gemeinde. Die Begegnung mit ihr habe anfangs Unsicherheit mit sich gebracht, nun hätten viele gelernt, nicht nur mit ihr, sondern auch mit anderen Behinderten selbstverständlicher umzugehen. (lni)

Von Anita Pöhlig

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