Probleme mit Neonazis - Wetterau kämpft für Vielfalt und Toleranz

Echzell. An Ostern ist es etwas besser als zu Weihnachten. Im Winter hatten Neonazis einigen Bewohnern der Echzeller Wiesengasse das Fest vermiest, jetzt in Frühjahr ist die Stimmung etwas besser. Denn ihr Nachbar, Anhänger der rechten Szene, sitzt in Untersuchungshaft.

Und seine Kumpels machen sich rar in der Wetterau-Gemeinde. „Wir sind froh, dass die Spitze der Auseinandersetzungen vorüber ist“, sagt Thomas Alber, der Leiter des Haupt- und Ordnungsamtes von Echzell.

Damit der Rechtsextremismus keine Chance bekommt, nimmt die Gemeinde seit rund einem Jahr an einem Förderprogramm des Bundes teil. Neben Echzell machen bei dem sogenannten lokalen Aktionsplan Mittlere Wetterau auch die Kommunen Reichelsheim, Wölfersheim und Florstadt mit.

Unter dem Motto „bunterleben“ laufen Projekte für Vielfalt, Toleranz und Respekt, zusammen mit Vereinen und Institutionen vor Ort. Das sei ganz wichtig, betont Alber. „Der Weg ist das Ziel beim Engagement gegen Rechts. Und wir glauben, dass der Weg über Vielfalt, Respekt und Toleranz der gangbare und richtige ist. Sie müssen die Menschen abholen, dann sind sie auch bereit, das zu ihrem Thema zu machen.“

Die Stimmung habe sich zwar verbessert, sagt Manfred Linss, der Vorsitzende des Echzeller Vereins „Grätsche gegen Rechtsaußen“. Aber: „Die Menschen haben die große Sorge, dass die Ruhe nicht von Dauer ist“. Die „Grätsche“ wurde als Reaktion auf die Probleme im Ort gegründet und ist mittlerweile in der ganzen Wetterau aktiv.

Auch Andreas Balser von der „Antifaschistischen Bildungsinitiative“, die die Szene in Hessen beobachtet, sieht eine Verbesserung. „Das Problem ist damit aber nicht gelöst“, warnt er. „Es hat sich nur verlagert.“ Denn die Szeneanhänger würden sich nun andernorts treffen, etwa auf Parkplätzen in Florstadt. Auch in Altenstadt beobachtet die Initiative mehr rechte Umtriebe, seit führende NPD-Köpfe in den Ort gezogen seien.

Die Wetterau gilt als ein Schwerpunkt der rechten Szene in Hessen. Das will die Region nicht hinnehmen. Rund 250 Menschen demonstrierten vor zwei Wochen in Altenstadt gegen eine NPD-Parteiveranstaltung in der Wetterau-Gemeinde. Für Balser ein Erfolg, denn: „Es haben sich alle gesellschaftlich relevanten Gruppen beteiligt.“ Zudem habe bei der Bürgermeisterwahl in Altenstadt Anfang April der NPD-Kandidat keine Chance gehabt.

Balser bemerkt ein größeres Interesse am Thema Rechtsextremismus und an denen, die sich dagegen engagieren, seitdem im Herbst die Morde der Zwickauer Terrorzelle bekannt wurden. Allerdings: „Die Politik hat keine Konsequenzen gezogen, es gibt keine schärferen Gesetze, nicht mehr Initiativen oder Programme gegen Rechts.“ Es sei auch nicht mehr für die Prävention getan worden, damit etwa Jugendliche erst gar nicht in rechtsextreme Kreise geraten. „Die Politik hat noch keine Lehren gezogen.“ (dpa)

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