Auf 50 Quadratkilometern

Provinz Saskatchewan: K+S baut das modernste Kali-Bergwerk der Welt

Gewaltig: Das Legacy-Projekt. Oben ist die Zufahrt über die endlose kanadische Wildnis zu sehen. Direkt darunter entsteht das Herzstück der Kalifabrik. Unten links ist das Wasserreservoir zu sehen. Fotos: K+S/nh

Kassel/Regina. Der Kali- und Salzproduzent K+S feiert sein 125-jähriges Bestehen. Er ist einer der wenigen deutschen Rohstoffkonzerne von Weltrang. In Kanada baut der Konzern derzeit das größte Kali-Bergwerk der Welt.

Es ist mit mit 50 Quadratkilometern Ausdehnung die mutmaßlich größte Baustelle Kanadas - das Mega-Projekt Legacy (Vermächtnis, Hinterlassenschaft) des Kasseler Mineraldünger- und Salzproduzenten K+S. Das Baufeld erstreckt sich über 50 Quadratkilometer und ist damit so groß wie 7000 Fußballfelder, 23 Mal größer als der Flughafen Kassel-Calden und fast halb so groß wie Kassels Stadtgebiet.

Hintergrund: Camp für 1470 Leute 

Derzeit arbeiten etwa 1000 Menschen auf der vermutlich größten Baustelle Kanadas: Bauprofis, Bohrspezialisten, Chemiker, Ingenieure, Logistik- und Transportfachleute, Maschinenführer und Instandhalter. Sie wurden vielfach von der Konkurrenz abgeworben. Denn weiter nördlich rund um Saskatchewans größter Stadt Saskatoon reihen sich die Kali-Bergwerke der Konkurrenten PCS, Mosaic und Agrium wie Perlenketten aneinander. Die Provinz in der Mitte Kanadas, die fast doppelt so groß wie die Bundesrepublik ist, lebt vom Kali-Bergbau.

In der Spitze werden im kommenden Jahr bis zu 2000 Menschen gleichzeitig für Legacy arbeiten. Für sie ist vier Kilometer weiter ein Camp mit 1470 Einzelzimmern mit Fernseh- und Internet-Anschluss, Freizeit- und Fitnesscenter, Gemeinschaftsräumen und einem riesigen Restaurant mit üppiger Speisekarte entstanden. Schließlich wollen die Beschäftigten nach langen und harten Arbeitstagen gut essen und entspannen - zumal weit und breit nichts weiter ist. Allein für den Betrieb der Großküche werden im kommenden Jahr bis zu 90 Leute gebraucht. (jop)

2,8 Milliarden Euro steckt der Dax-Konzern in die Erschließung des Kali-Bergwerks und den Bau einer Aufbereitungsanlage in den endlosen Weiten der kanadischen Prärie im Süden der Provinz Saskatchewan - 50 Kilometer nördlich der Provinzhauptstadt Regina und 18 Kilometer von der nächsten Siedlung entfernt. Die Bauarbeiten für die erste Kalifabrik Kanadas auf der grünen Wiese seit 40 Jahren sind weit fortgeschritten. 2016 soll sie angefahren werden und ab 2017 zwei Mio. Tonnen Kali im Jahr produzieren. In der Endausbaustufe soll der Ausstoß auf 2,86 Mio Tonnen steigen und die aktuelle Förderkapazität des Konzerns um 40 Prozent erhöhen. Genehmigt ist sogar eine Jahresmenge von vier Mio. Tonnen. Darüber hinaus hat K+S Rechte auf weitere Kalifelder.

Unter der Führung des Projektleiters und Chefs des neuen K+S-Standorts in Kanada, Dr. Ulrich Lamp, arbeitet sich ein deutsch-kanadisches Spezialistenteam 1600 Meter tief in die Erde. Sie bringen 72 Bohrungen für 36 Kavernen nieder. Denn die Grube wird nicht wie eine konventionelle funktionieren. Zum Einsatz kommt Solungsbergbau, bei dem große Mengen Wasser unter hohem Druck in die Kali führenden Schichten gepresst werden, die das Salz auswaschen und über eine zweite Bohrung an die Erdoberfläche befördern. Dort wird das Kali in einer Fabrik extrahiert und das Wasser, das dem nahen Buffalo Pound Lake über eine Pipeline entnommen wird, fließt in den Produktionskreislauf zurück. Diese Art der Kaligewinnung ist extrem kapitalintensiv, kommt aber mit sehr wenig Beschäftigten aus. Nur 400 Menschen werden für den gesamten Betrieb benötigt.

Um das Kali abzutransportieren, entstehen derzeit eine neue, 30 Kilometer lange Schienenanbindung sowie noch einmal 20 Kilometer Rangiergleise. Zweimal wöchentlich werden 2600 Meter lange Züge mit 177 Waggons, die von je fünf Loks gezogen werden, die wertvolle Fracht über und durch die Rocky Mountains 1800 Kilometer nach Westen zur Pazifikküste bringen. In Vancouver wird der Hafendienstleister Pacific Cost Terminals die Ware verschiffen: vornehmlich nach Südamerika und Asien.

Denn den Heimatmarkt Europa will K+S auch künftig von seinen deutschen Standorten aus bedienen - auch wegen der weltweit nur im Werra-Revier vorkommenden Magnesium-Spezialitäten, die wegen ihrer Seltenheit eine besonders hohe Rendite abwerfen, weil sie der Hochleistungslandwirtschaft in Europa einen noch größeren Nutzen bringen als Standardkali, wie es in Kanada gewonnen wird.

Von José Pinto

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.