Bis zu 17 Prozent in der Region - Extra-Überziehungszins am Ende?

Kleine Geld, großes Geld: Extra-Überziehungszinsen bröckeln auch in der Region. Foto: dpa

Kassel/Göttingen. Geld für Banken und Sparkassen ist billig wie nie. Das lässt Politiker und Verbraucherschützer seit Monaten drängeln, auch Kreditkunden sollten davon mehr profitieren. Bei Dispo- und Überziehungszinsen zum Beispiel.

Die haben Union und SPD schon im Koalitionsvertrag ins Visier genommen - wegen hoher Kosten von immer noch 15 und mehr Prozent. Und weil Schwarz-Rot Menschen im Minus früher gewarnt sehen will.

Die ungeplante Waschmaschinenreparatur, Wunsch-Fernseher im Schnäppchenangebot, der Dispo als Krücke, um bis zum Monatsende über die Runden zu kommen: „Wenn ein Kunde dauerhaft im Dispo steckt, sollte die Bank ihm eine Beratung über kostengünstigere Alternativen anbieten, etwa die Umwandlung in einen Ratenkredit“, sagte Justiz- und Verbraucherminister Heiko Maas (SPD) der Rheinischen Post. Tatsächlich ist an dieser Front Bewegung in der Geldbranche.

Im Februar hatte die Direktbank ING Diba den extra hohen Überziehungszins für die nicht erlaubte, aber geduldete Kontoüberziehung dem niedrigeren Dispozins fürs erlaubte Minus angeglichen. Und damit abgeschafft. Das hatten zuvor schon mehrere Genossenschaftsbanken gemacht. Anfang 2014 etwa die Volksbank Mittelhessen in Gießen.

Mittlerweile ist daraus ein Trend geworden, heißt es aus Kreisen der Sparkassen. Trend bedeutet branchenintern: Mindestens 30 Prozent der Institute, auch wichtige und große, haben umgeschwenkt. Die Umfrage unserer Zeitung unter Geldhäusern der Region zeigt: Neben der Volksbank Mittelhessen haben mittlerweile auch die Kasseler Sparkasse und die Sparkasse Hann. Münden den Extra-Überziehungszins abgeschafft.

Dennoch ein heißes Eisen: Sieben der befragten 14 regionalen Institute gaben keine Auskunft auf Fragen unserer Zeitung. Ähnliches hatte die Stiftung Warentest vor einem Jahr bemängelt: „Nur 413 der über 1500 befragten Banken nannten uns ihren Dispozins ohne Umschweife.“

Dispokredite seien „ein besonderes, kurzfristig nutzbares Angebot“, das mehr Aufwand zur Bereitstellung und zur Überwachung mit sich bringe, sagt die Kreditwirtschaft. Das überzeugt zu Konditionen deutlich über 10 Prozent neben Sparzinsen, die gegen Null gehen, immer weniger (siehe Hintergrund). Die Verbraucherzentrale Hamburg spricht von Wucher.

Im Wahlkampf 2013 hatte die SPD noch mit einem gesetzlichen Zinsdeckel gedroht. An den erinnerten die Verbraucherschutzminister der Länder im Mai: Berlin solle einen Gesetzentwurf zur Deckelung vorlegen, falls Dispo- und Überziehungszinsen nicht bis Jahresende angemessen gesenkt würden, forderten sie. Die Sache brauche mehr Druck. Genau dem wolle die Geldbranche offenbar durch freiwilliges Beidrehen zuvorkommen, heißt es in Regierungskreisen.  

Dispo - und es geht noch teurer

• Geht ein Konto ins erlaubte Minus, ist das der Dispokredit. Der kostet Dispozinsen. Als Dispokredit eingeräumt werden in der Regel Beträge bis zum Dreifachen des Nettoeinkommens.

• Dann kann das Konto auch noch ins geduldete Minus belastet werden. Das machte bisher die noch teureren Überziehungszinsen fällig. Diese Front bröckelt jetzt aber.

• Über die Höhe des eingeräumten Dispo und Zinsen der Kontoüberziehung informieren Banken und Sparkassen auf Kontoauszügen (nicht generell auf jedem), teilweise auf ihren Internetseiten und auf Preisaushängen in den Filialen.

pdf des Sparkassen- und Giroverbands zu diesem Thema

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