Angebliches Krebswundermittel: Keine Bewährungsstrafe vom Kasseler Landgericht

Galavit-Prozess: Reklame-Mann muss doch hinter Gitter

Kassel. Es bleibt dabei: Theodor von K. (62), der Reklame-Mann für das angebliche russische Krebswundermittel Galavit, mit dem in den Jahren 2000/2001 in der Bad Karlshafener Privatklinik „Carolinum“ Schwerstkrebskranke betrogen worden sind, muss hinter Gitter.

Die Fünfte Strafkammer des Landgerichts Kassel unter dem Vorsitzenden Richter Jürgen Stanoschek veurteilte den 62-jährigen Journalisten am Nachmittag zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten. Das ist ein Monat weniger als ihm Anfang 2010 von einer anderen Strafkammer des Landgerichts zugesprochen worden war. Das Strafmaß liegt aber deutlich über zwei Jahren und kann deshalb nicht zur Bewährung ausgesetzt werden.

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Beim mitangeklagten Thomas P. (40) blieb bei 14 Monaten Haft – auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Die Anwälte von K. und P. hatten nach zweimaliger Revision beim BGH die dritte Auflage eines Prozesses erreicht, der ursprünglich im März 2007 eröffnet worden war.

Die Haft-Urteile gegen zwei weitere Mitglieder der Galavit-Betrügerbande sind rechtskräftig. Ein fünfter Angeklagter, der Arzt, der das russische Entzündungsmittel in Bad Karlshafen meist todkranken Patienten verabreicht hatte, die umgerechnet 8500 Euro für einen letzten Hoffnungsstrohhalm bezahlten, ist mittlerweile verhandlungsunfähig.

Am Vormittag hatte Theodor von K. eine mehrseitige Beichte verlesen: “Ich habe mich mitschuldig gemacht“, sagte der Journalist. „Das bereue ich“, beteuerte er verbunden mit einer Entschuldigung an die Opfer und ihre Angehören.

Der 62-Jährige hatte über das russische Präparat recherchiert, Texte und Patientenbroschüren verfasst sowie Filmmaterial gedreht, das er Fernsehsendern für Berichte über Galavit zur Verfügung stellte. Besonders schockiert, so von K., habe ihn die Tatsache, dass mit dem Pulver aus Moskau, das er immer als lediglich unterstützendes Mittel einer Krebstherapie verstanden habe, in Bad Karlshafen viele Menschen behandelt worden seien, für die es schon während der „Spritzen-Kur“ für umgerechnet 8500 Euro keine Hoffnung mehr gegeben habe.

Über 132 von deutlich mehr Fällen war letztlich geurteilt worden. Der 62-Jährige bekannte offen, dass sein Schuldeingeständnis auch Teil seines Kampfes für eine Bewährungstrafe sei. Die wolle er nicht für sich, sagte der mittlerweile in Belgien als Hausmann lebende Angeklagte, sondern für seine dort lebende Familie, vor allem sein schwer behindertes Kind. Um sie könne er sich mit einer Haftstrafe nicht kümmern. Nicht einmal als Freigänger, weil er als solcher nicht nach Belgien ausreisen dürfe.

Von K.s Beichte ließ sich die Kammer nicht beeindrucken: Er habe durch seine Reklame für Galavit erheblich dazu beigetragen, die Not und die Verzweiflung Todkranker auszunutzen und zu Geld zu machen. Alle Mitglieder der Verbrecherbande hätten gewusst, dass ihre Opfer über die wahren Kosten von Galavit und die angeblich hilfreiche Wirkung des russischen Pulvers getäuscht worden seien.

Von Wolfgang Riek

Rubriklistenbild: © dpa

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