Prozess um tödlichen Gasunfall: Bewährungsstrafe und Freispruch

Frankfurt. Eine Mutter und ihre beiden Jungen mussten sterben, weil Kohlenmonoxid in ihre Wohnung drang. Nun wurde ein Handwerker deshalb zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, ein anderer wurde freigesprochen.

Mit einem Freispruch und einer Bewährungsstrafe ist ein Prozess um ein Gasunglück mit drei Toten in Frankfurt zu Ende gegangen. Ein 31 Jahre alter Dachdeckermeister wurde am Dienstag vom Amtsgericht Frankfurt wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Einen mitangeklagten Service-Techniker sprach das Gericht frei. Bei dem Unglück waren an Heiligabend 2009 eine Frau und ihre beiden Söhne an Kohlenmonoxid erstickt. Der Dachdecker hatte zuvor eine ungeeignete Abdeckung auf dem Schornstein montiert. Ob zudem eine nachlässige Wartung der Gastherme durch den Techniker ausschlaggebend war, habe nicht genau geklärt werden können, hieß es im Urteil.

Als Bewährungsauflage setzte das Gericht die Zahlung von 6000 Euro Schadenersatz an den überlebenden Familienvater fest, der bei dem Unglück verletzt worden war und im Prozess als Nebenkläger auftrat. „Wir hatten es mit einem sehr tragischen Geschehen für alle Beteiligten zu tun“, sagte Amtsrichter Günther Meilinger. Dennoch dürfe sich das Urteil nicht allein an den Folgen orientieren. Stattdessen müsse das individuelle Fehlverhalten des Angeklagten im Mittelpunkt stehen. „Sie hätten die Betonfaserplatte nicht montieren dürfen“, sagte der Richter in Richtung des Angeklagten. Im Verlauf der zehntägigen Beweisaufnahme hatte ein Sachverständiger berichtet, dass die Platten für Außenabdeckungen völlig ungeeignet seien.

Bei dem 49 Jahre alten Service-Techniker konnte das Gericht ein Fehlverhalten nicht zweifelsfrei nachweisen. Das Kohlenmonoxid hätte auch aus einer anderen Gastherme im Untergeschoss des Mietshauses durch den verstopften Schornstein in die Wohnung der Familie gelangen können. Die Staatsanwaltschaft erwägt nun den Gang in die Berufung. Sie hatte eineinhalb Jahre Bewährungsstrafe für den Techniker beantragt. Mit dem Urteil für den Dachdecker entsprach das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Verteidiger der Männer hatten Freispruch gefordert. (dpa)

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