Brummt die Konjunktur, floriert die Zeitarbeit

SMA-Krise: Zeitarbeiter leiden zuerst

Kassel. Zeitarbeit ist zum Pulsmesser der Konjunktur geworden. Unternehmen, die Arbeitskräfte verleihen, profitieren als Erste vom steigenden Auftragseingang. Doch die Beschäftigten der Zeitarbeitsfirmen leiden auch als Erste darunter, wenn der Boom abflaut. Ein Beispiel ist SMA.

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Der Solartechnik-Spezialist aus Niestetal (Kreis Kassel) will sich von 1050 Mitarbeitern trennen. 600 davon sind Zeitarbeiter. Die meisten von ihnen werden zunächst in die Arbeitslosigkeit gehen, kündigte Ute Urbon, Geschäftsführerin der Zeitarbeitsfirma team-time und Frau des SMA-Vorstandssprechers Pierre-Pascal Urbon, an. Doch wie funktioniert die Leiharbeit?

Der Arbeitgeber: Der Leiharbeiter wird von einer Zeitarbeitsfirma angestellt. Sie bezahlt sein Gehalt und seine Sozialversicherungsbeiträge. Die Zeitarbeitsfirma bestimmt die Einsatzorte ihres Beschäftigten. Dieser hat also noch einen zweiten Chef – in dem Unternehmen, das ihn ausleiht.

Die Bezahlung: Im Prinzip müssen Zeitarbeiter genauso viel verdienen wie die Kollegen im entleihenden Betrieb.

Doch dieser Grundsatz des „equal pay“ gilt nicht, wenn es einen abweichenden Tarifvertrag gibt – und genau das haben die großen Branchenverbände getan. Die Beschäftigten ihrer Mitgliedsfirmen werden also nach diesen Tarifverträgen entlohnt. Leiharbeiter verdienen für die gleiche Arbeit oft ein Fünftel bis ein Viertel weniger als ihre Kollegen in der Stammbelegschaft des ausleihenden Unternehmens, stellte eine Studie fest. Der gesetzliche Mindestlohn für Zeitarbeiter liegt derzeit brutto bei 7,89 Euro im Westen und 7,01 Euro im Osten. Ab November steigt er auf 8,19 (West) und 7,50 Euro (Ost). In der Spitze werden nach Tarif Stundenlöhne bis 17,76 Euro ohne Zuschläge bezahlt. Ab November gibt es in der Metall- und Elektro- sowie der Chemieindustrie Zuschläge für Leiharbeiter, die länger als sieben Wochen im selben Betrieb tätig sind.

Die Entleiher: Bundesweit gibt es nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit rund 17.700 Verleihbetriebe. Aktuell beschäftigen sie 844.000 Leiharbeiter, rechnete das Institut der deutschen Wirtschaft (IW, Köln) aus. Die großen Arbeitgeberverbände der Zeitarbeitsfirmen sind iGZ sowie der Bundesverband der Personaldienstleister BAP, der aus AMP und BGZ entstand.

Bilder der SMA-Unternehmensgeschichte

SMA: Die Geschichte des Unternehmens in Bildern

Die Nutznießer: Unternehmen, die Zeitarbeiter einsetzen, tun dies weniger aus Kostengründen, sondern vor allem, um flexibel zu sein. Sie können ihren Personalbestand bei Auftragsspitzen schnell aufstocken. SMA hat über die Jahre stark auf Zeitarbeiter gesetzt. Bundesweit seien 2010 drei Viertel des Produktionszuwachses von Unternehmen erwirtschaftet worden, die Zeitarbeit einsetzen, stellte das IW fest. Diskutieren Sie mit.

Von Barbara Will

Rubriklistenbild: © dpa

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