Partei heißt Allianz für Fortschritt und Aufbruch (ALFA)

Interview mit Ex-AfD-Chef: Lucke gründet neue Partei in Kassel

Bernd Lucke, ehemaliger Vorsitzender der AfD, gestern im Kasseler Pentahotel am IC-Bahnhof zu Beginn einer Versammlung von Teilnehmern des Vereins „Weckruf 2015“. Das Ziel: Parteineugrüdnung mit AfD-Abtrünnigen. Foto: dpa

Kassel. Die rechtskonservative Alternative für Deutschland (AfD) bekommt Konkurrenz durch eine neue Partei um ihren früheren Chef Bernd Lucke. 

Dieser wurde bei einem Treffen im Pentahotel am IC-Bahnhof in Kassel zum Vorsitzenden der Neugründung gewählt. Das meldet die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf Teilnehmerkreise. Lucke war am 10. Juli aus der AfD ausgetreten.

Aktualisiert um 18.33 Uhr

Zuvor hatten sich bei einem außerordentlichen Bundesparteitag die nationalkonservativen Kräfte in der AfD klar durchgesetzt. Seine neue Partei soll ALFA heißen. Dies ist nach Angaben von Teilnehmern ein Kürzel für die Wörter "Allianz für Fortschritt und Aufbruch". Wir sprachen vorab mit Lucke.

„Im liberalen Milieu ist die FDP bestimmend. Dagegen wird die neue Partei nicht ankommen“ - das sagte Forsa-Meinungsforscher Manfred Güllner unserer Zeitung. Was machen Sie, Herr Lucke, wenn der Mann recht hat? 

Lucke: Wir wollen auch keine FDP 2.0 sein. Die FDP hat versagt: Sie hat dem Mindestlohn zugestimmt, der Hotelierssteuer, dem Gesundheitsfonds und der Eurorettung. Wir vertreten die wahren liberalen Positionen, aber keineswegs nur diese.

Die geschrumpfte AfD von Frauke Petry und dazu noch Ihre Neugründung - ist denn eigentlich rechts von der CDU Platz für zwei Parteien? 

Lucke: Wir werden nicht rechts von der CDU sein. Wir werben um alle, die mit den großen Volksparteien unzufrieden sind. Wir sprechen die Mitte der Gesellschaft an.

Trittbrettfahrer, Nationalisten, NPD-Verharmloser - vor denen hat Ihr Weckruf gewarnt, als Sie noch AfD-Sprecher waren. Wie wollen Sie diese Leute aus einer neuen Partei raushalten? 

Lucke: Ich glaube nicht, dass die noch zu uns kommen - die haben ja leider eine große Spielwiese und viele Gleichgesinnte in der AfD. Die AfD ist da wie ein Schutzschild für uns: Sie zieht diese Mitglieder an. Dennoch werden wir sehr achtsam bei der Aufnahme neuer Mitglieder sein. Es wird eine einjährige Gastmitgliedschaft geben, ehe wir aufnehmen. Wir wollen die Leute gut kennen, ehe sie Mitglied werden.

Die AfD punktet mit Themen wie Islam, Zuwanderung und der Angst vor beidem - womit punkten Sie? 

Lucke: Zunächst mal natürlich mit seriöser Eurokritik. Es muss doch auch eine Partei geben, die dagegen ist, dass wir schon wieder 86 Milliarden nach Griechenland senden. In der Wirtschaftspolitik wollen wir uns für Innovationen und fortschrittliche Technologien starkmachen. In Deutschland dominieren ja leider die grünen Denkmuster, die alles Neue immer für gefährlich halten und am liebsten verbieten wollen.

Das hört sich nach Ein-Themen-Wirtschaftspartei an ... 

Lucke: Keineswegs. Ich bin ja noch lange nicht fertig. Wir werden uns auch mit Sozial- und Familienpolitik profilieren. Wir brauchen Zuwanderung, aber bitte nach Qualifikation und Integrationsfähigkeit gesteuert. Ein großes Thema wird auch die mangelnde Nachhaltigkeit unserer sozialen Sicherungssysteme sein. Wer heute Renten- und Lebensversicherungen hat, kriegt ja kaum noch Zinsen. Wie soll man da vorsorgen?

Stimmt es eigentlich, dass Sie weder Fernseher noch Auto haben, oder ist das eins der modernen Internetmärchen? 

Lucke: Nein, kein Märchen, das stimmt tatsächlich. Ich fahre lieber Zug als Auto. Und ich gehöre zu den altmodischen Menschen, die gerne Bücher lesen.

Mit ihrer alten Partei gibt es Zoff über die sogenannte Mandatsträgerabgabe: Sie wollen von der AfD 500 Euro zurück, die hingegen sieht Sie mit 1500 in der Kreide. Wie stehen die Aktien? 

Lucke: Ich habe der AfD deutlich mehr gespendet, als das, was ich ihr schuldig bin. Aber Ende Juni ist durch einen Fehler meine Mandatsträgerabgabe doppelt abgebucht worden - zweimal innerhalb von zwei Tagen. Eigentlich wäre es eine Selbstverständlichkeit, dass die Partei das sofort korrigiert. Es ist schäbig von der Parteiführung, den Sachverhalt völlig entstellt der Bild-Zeitung zuzuspielen. So etwas tut eine seriöse Partei nicht.

Lesen Sie dazu auch:

- Kommentar zur AfD-Konkurrenz: Die Partei der Elche

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