Kommentar zur Wahl in Großbritannien: Punkten mit Wirtschaftspolitik

Großbritannien hat gewählt. Premierminister David Cameron kann nach einer neuen Prognose der BBC mit seiner konservativen Partei künftig allein regieren. Ein Kommentar unserer Korrespondentin Katrin Pribyl.

Nein, erwartet hat dieses Ergebnis niemand – weder die Parteipolitiker, die Wähler oder die sogenannten Experten. Am allerwenigsten die Meinungsforscher. Der konservative David Cameron von den Tories kann künftig offenbar alleine regieren.

Die Torries haben vor allem von der Wirtschaftspolitik der vergangenen fünf Jahre profitiert. Als Cameron 2010 in die Downing Street einzog, kämpfte das Land mit den Folgen der Finanzkrise. Er zog Großbritannien aus der tiefen Rezession heraus, die Wirtschaft brummt, die Arbeitslosenzahlen sinken, genauso wie die Kriminalität. Das Königreich verzeichne das schnellste Wachstum in Europa, war eines seiner schlagendsten Argumente. Das zog bei den Briten. Den meisten geht es zu gut, als dass sie eine Veränderung wünschten oder das Bedürfnis verspürten, eine Alternative zu brauchen. Die Menschen auf der Insel hatten Angst vor einer ungewissen Zukunft mit einer regierenden Labour-Partei, der immer wieder die wirtschaftliche Kompetenz abgesprochen wurde. Die Furcht übertrug sich auf den Wahlzettel. Genauso wie jene über ein mögliches Bündnis der Sozialdemokraten mit der Schottischen Nationalpartei, die langfristig eine Unabhängigkeit anstrebt. Die SNP ist neben David Cameron die große Siegerin und wird den Konservativen in den nächsten fünf Jahren mit 56 Sitzen das Leben schwerer als bisher machen.

Seit Wochen wurde über alle möglichen Szenarien alles Mögliche diskutiert. Und nun bleibt doch alles beim Alten. Fast. Eine Koalition mit den Liberaldemokraten brauchen die Konservativen offenbar nicht mehr einzugehen. Großbritannien rückt stärker in die konservative Ecke. Was das für Europa bedeutet, wird sich zeigen. Aber die Schwarzmalerei hätte etwas Farbe verdient. Auch wenn Cameron den Briten ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft versprochen hat, gilt er gleichwohl als einer der europafreundlichsten Politiker in den Reihen der Konservativen. Um die Unsicherheit und Instabilität, die die offene Frage um die EU erzeugt, schnellstmöglich ad acta zu legen, dürfte der Volksentscheid bereits im nächsten Jahr angesetzt werden.

Dabei stehen in Zeiten des Wirtschaftsaufschwungs die Chancen für den Verbleib in der Union gut, ab heute wird sich wahrscheinlich auch die EU-freundliche Wirtschaftswelt in die Werbung für Brüssel einschalten. Was die Wahl aber für die Mittel- und Arbeiterschicht bedeutet, die bislang kaum vom Wirtschaftsaufschwung profitiert, ist die viel drängendere Frage. Die Kluft zwischen Arm und Reich dürfte weiter zunehmen.

nachrichten@hna.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.