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Putin vor dem Aus? Im Kreml tobt angeblich längst der Machtkampf

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Von: Tobias Utz

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Laut Medien aus Russland und den USA kämpft man in der Moskauer Machtzentrale längst um die Nachfolge Wladimir Putins. Der Präsident gilt als angezählt.

Moskau/Washington, D.C. – Im Sommer 2022 war von drei Phasen des Ukraine-Kriegs die Rede. Der vielfach zitierte Thinktank „Institute for the Study of War“ sah die russische Armee nach dem gescheiterten Sturm auf Kiew, dem fehlgeschlagenen Einnahmeversuch südlicher Regionen der Ukraine und den Annexionsbemühungen im Donbass vorerst auf dem Höhepunkt der Kriegshandlungen.

Abgesehen von schweren Verlusten im Militär befindet sich Russlands Strategie am Scheideweg: Ukrainische Truppen erobern bei Gegenoffensiven immer mehr Dörfer zurück. Zudem besteht offenbar ein Mangel an Langstreckenraten, spätestens nach der massenhaften Bombardierung zu Beginn dieser Woche. Der Druck auf Wladimir Putin wächst, auch intern. Das US-Nachrichtenportal Politico berichtet, dass im Kreml bereits ein Machtkampf um die Nachfolge des russischen Präsidenten tobt. Als Störenfriede werden zwei Profiteure von Putins hierarchischer Struktur genannt: Ramsan Kadyrow, Anführer in Tschetschenien, und Jewgeni Prigoschin, „Putins Koch“.

Wladimir Putin spielt sein Spiel

Demnach sehen internationale Beobachtende „das Aufflackern von öffentlichem Dissens bei Mitgliedern der russischen Elite“, darunter Kadyrow und Prigoschin. Kadyrow wurde jüngst zum Generaloberst befördert – und demonstrierte nach den russischen Raketenangriffen auf zahlreiche ukrainische Städte Rachegelüste. „Jetzt bin ich zu 100 Prozent zufrieden mit der Durchführung der militärischen Spezialoperation“, erklärte er auf Telegram. Auch Prigoschin äußerte sich martialisch: Zunächst forderte er, Kinder an die Front zu schicken. Anschließend schlug er einen Fronteinsatz russischer Abgeordneter vor. Leonid Wolkow, der Stabschef des inhaftierten Oppositionsführers Alexej Nawalny, erklärte, dass derartige Äußerungen von Kadyrow und Prigoschin nützlich für Putin seien, da sie vom militärischen Misserfolg in der Ukraine ablenken. Sprich: Putins spielt sein Spiel.

Wladimir Putin
Russlands Präsident Wladimir Putin im Kreml. © Pavel Bednyakov / Imago Images

Das Nachrichtenportal Meduza berichtet, dass Kadyrow und Prigoschin immer mehr Unterstützer im Kreml sammeln. Möglicherweise handelt es sich dabei auch im Nutznießer, die ebenfalls eigene Ziele verfolgen. Demnach sollen die aufstrebenden Persönlichkeiten Alexey Dyumin, Gouverneur von Tula, und Dmitry Mironov, ehemaliger Leiter der Region Jaroslawl und Assistent Putins, Kadyrov und Prigoschin im Stillen unterstützen.

Putin-Kritiker Chodorowski warnt vor Kadyrow und Prigoschin

Der prominente Kreml- und Putin-Kritiker Michail Chodorkowski, der bereits vor russischen Angriffen auf Nato-Staaten warnte, sieht vor allem in Prigoschin, „Putins Koch“, die Gefahr für den Präsidenten. „Er bereitet sich auch auf ein Leben nach Putin vor. Und er baut eine Beziehung zu Kadyrow auf“, sagte er Politico. Prigoschin stehe aktuell noch unter Putins Kontrolle, spiele aber – ähnlich wie Kadyrow – ein „doppeltes Spiel“.

Neben Kadyrow und Prigoschin gibt es laut Chodorkowski offenbar eine zweite aufstrebende Gruppe im Kreml, die Putins Platz einnehmen will. Diese wird von Verteidigungsminister Sergej Schoigu und Waleri Gerassimow, Chef des russischen Generalstabs, angeführt. Laut dem Politico-Bericht gibt es auch Machtkämpfe zwischen diesen beiden Gruppierungen. Die genannten Informationen entstammen teilweise Kriegsparteien im Ukraine-Konflikt und sind nicht unabhängig verifizierbar. Wie Wladimir Putins weitere politische Karriere aussieht, dürfte jedoch relativ sicher, vom militärischen Erfolg der „Spezialoperation“ abhängen. (tu)

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