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Verliert Putin einen wichtigen Verbündeten?

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Von: Tobias Utz

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Russland muss herbe Kritik des verbündeten Serbien hinnehmen: Präsident Vucic spielt dabei ein gefährliches Spiel.

Moskau/Belgrad – Wladimir Putin ringt um Erfolgserlebnisse im Ukraine-Krieg. Kürzlich konnte er die Einnahme der Bergbaustadt Soledar im Donbass verkünden. Diese bezahlte er allerdings mit schweren Verlusten seiner Armee. Putins verfolgt dabei zwei Strategien: Zum Einen muss er innenpolitisch einen Krieg rechtfertigen, dessen Ziele das Militär schon mehrfach verfehlt hat. Zum Anderen bemüht sich der Präsident um außenpolitische Allianzen, wie fr.de berichtet.

Im letztgenannten Punkt musste Putin nun einen herben Dämpfer hinnehmen: Serbien, bekannt als Russlands Verbündeter in Europa, steht Russlands Invasion kritisch gegenüber. Präsident Aleksander Vucic äußerte sich kürzlich dazu. „Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir Russlands Invasion in der Ukraine nicht unterstützen können. Für uns ist die Krim die Ukraine, der Donbass ist die Ukraine – und das wird auch so bleiben“, sagte er dem US-Magazin Bloomberg.

Serbien: Zwischen russischen Importen und europäischen Exporten

Die deutlichen Signale aus Belgrad widersprechen der bisherigen Rhetorik: Serbien hatte sich im Vergleich zu vielen anderen Staaten nicht den Sanktionen der Europäischen Union und der USA gegen Russland angeschlossen. Das hat sowohl historische als auch wirtschaftliche Gründe. Historisch betrachtet besteht seit geraumer Zeit eine Freundschaft zwischen Serbien und Russland. Moskau unterstützte Belgrad bereits in den Balkankriegen. In der Gegenwart steht Russland zum Beispiel hinter Serbiens Vorhaben, dem Kosovo seine Unabhängigkeit zu verwehren. Die Spannungen lebten zuletzt wieder auf.

Putin
Eine Frau geht an traditionellen russischen Holzpuppen namens Matrjoschka mit Abbildern von Wladimir Putin (m.), Präsident von Russland, und Josef Stalin, ehemaliger Diktator der Sowjetunion, vorbei, die in einem Souvenirladen zum Verkauf angeboten werden. © Dmitri Lovetsky / AP / dpa

Wirtschaftlich betrachtet steht vor allem der Ölimport im Vordergrund: Serbien bekkommt die russische Ressource relativ günstig geliefert. Serbien forciert allerdings seit geraumer Zeit den Beitritt zur EU. Die wirtschaftlichen Verflechtungen wachsen. Einem Bericht der Tagesschau zufolge gehen zwei Drittel aller serbischen Exporte in die Europäische Union. Seit dem Start der Beitrittsverhandlungen hat Serbien laut Angaben des Auswärtigen Amtes zudem 1,5 Milliarden Euro von der EU kassiert.

Lange Zeit blieben die militärische Aktivitäten des Kreml unkommentiert. Angesprochene neue Aussagen des serbischen Präsidenten sprechen hingegen eine klare Sprache: „Wir haben traditionell gute Beziehungen, aber das bedeutet nicht, dass wir jede einzelne Entscheidung oder die meisten Entscheidungen, die vom Kreml kommen, unterstützen.“ Vucic wehrte sich kürzlich außerdem gegen die Rekrutierungsversuche der Söldnergruppe „Wagner“ in Serbien. Wie die serbische Nachrichtenagentur Beta berichtet, fragte Vucic in einem TV-Interview: „Warum tun Sie Serbien das an? Warum rufen Sie von Wagner dazu auf, obwohl es gegen die Vorschriften verstößt?“

Ukraine-Krieg: Pro-russische Demonstrationen in Serbien

Für Vucic ist seine Kritik an Russland ein gefährliches Spiel: In Belgrad fanden seit Kriegsbeginn in der Ukraine zahlreiche pro-russische Demonstrationen statt. Viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer halten zu Putin, wie unter anderem der Deutschlandfunk berichtet. Die Medienlandschaft ist ebenfalls ein Faktor. Russische Medien haben in Serbien einen großen Einfluss, unter anderem das in der EU gesperrte Medium RT. Laut Angaben der NGO „Reporter ohne Grenzen“ hat sich die Lage für unabhängige Journalistinnen und Journalisten in den vergangenen Jahren rapide verschlechtert. In der Rangliste der Pressefreiheit belegt das Land Platz 79 von 180.

Bislang kontrolliert Vucic große Teile der serbischen Medienlandschaft. Seine jüngsten Äußerungen über Russland im Ukraine-Krieg dürften seine Beliebtheitswerte bei vielen Serben allerdings nicht gesteigert haben. (tu mit AFP/dpa)

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