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Amtsenthebung? Ehemaliger Geheimdienstoffizier verschärft Kritik an Putin

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Von: Chistian Stör

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In Russland wird die Kritik an der Kriegsführung in der Ukraine immer lauter. Nun nimmt ein prominenter Putin-Kritiker erstmals das Wort Amtsenthebung in den Mund.

Moskau - Der Ukraine-Krieg läuft für Russland weit schwieriger als gedacht. Nur wenige Tage sollte die „militärische Spezialoperation“ nach den Plänen des russischen Präsidenten Wladimir Putin eigentlich nur dauern. Doch auch mehr als zehn Monate nach dem Einmarsch in die Ukraine gehen die Kampfhandlungen unvermindert weiter, ein Ende des Krieges ist trotz kleiner russischer Erfolge wie in der Kleinstadt Soledar nicht in Sicht.

Was aber bedeutet das für Putin? Immerhin wird in Russland die Kritik an seiner Kriegsführung zunehmend lauter. Vor allem der ehemalige Geheimdienstoffizier Igor Girkin hält mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. So bezeichnete er die Schlacht um Bachmut unlängst als unsinnigen Kampf, der strategisch keinerlei Bedeutung habe. Zuvor schon hatte Girkin die Kriegsführung in einem Video scharf verurteilt. „Der Kopf des Fisches ist völlig verrottet“, sagte Girkin damals.

Der russische Präsident Wladimir Putin posiert, als er am 31. Dezember 2022 im Hauptquartier des südlichen Militärbezirks in Rostow am Don eine Neujahrsansprache an die Nation hält.
Der russische Präsident Wladimir Putin muss sich immer wieder Kritik an seiner Kriegsführung anhören. Nun fordert ein Militärblogger gar seine Amtsenthebung.. © MIKHAIL KLIMENTYEV/Imago

Girkin verschärft Kritik an Putin wegen Kriegsführung in der Ukraine

Nun hat Girkin seine Kritik an der Kriegsführung Moskaus in der Ukraine nach Angaben des US-Instituts für Kriegsstudien (ISW) noch einmal deutlich verschärft. Anlass war laut ISW die Ernennung des nach mehreren Niederlagen im Ukraine-Krieg kritisierten Generals Alexander Lapin zum Generalstabschef der Heerestruppen. Girkin, der Putin in der Vergangenheit immer wieder dafür kritisiert hatte, Befehlshaber zu ernennen, die für Misserfolge verantwortlich seien, deutete dabei sogar an, dass er eine Amtsenthebung des russischen Präsidenten unterstütze. Mehr Kritik ist wohl kaum denkbar.

Immerhin hat Girkin seine Loyalität gegenüber dem russischen Staat bekräftigt und seine Vorwürfe dadurch etwas abgemildert, hieß es im ISW-Bericht vom 10. Januar. So habe er sich gegen einen Wechsel des Staatschefs während des Krieges ausgesprochen, weil dies nach seinen Worten zu einer militärischen und zivilen Katastrophe führen würde.

Girkin, der unter dem Pseudonym Igor Strelkow 2014 den Aufstand der Separatisten im Osten der Ukraine anführte, wird unter anderem für den Abschuss eines Passagierflugzeugs über dem Donbass verantwortlich gemacht. Die Ukraine hat ein hohes Kopfgeld für seine Ergreifung ausgesetzt.

Putin will Einfluss von Wagner-Chef Prigoschin beschneiden

Offenbar ist Putins Vorgehen Teil eines komplexen politischen Spiels, in dem er versucht, die Kontrolle über die einzelnen Kreml-Fraktionen zu behalten. Vor allem die Hardliner-Fraktion um Tschetschenenführer Ramsan Kadyrow und den Finanzier der Söldnertruppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, die mit ihren eigenen Kontingenten in der Ukraine kämpfen, hatten Lapin nach dem Rückzug aus dem Gebiet Charkiw schwere Vorwürfe gemacht.

„Für Prigoschin war es wichtig zu zeigen, dass Lapin und das russische Militär seinen eigenen Elitetruppen unterlegen sind“, sagte die Militärexpertin Marina Miron vom King’s College London dem US-Magazin Newsweek. „Prigoschins politische Zugkraft ermöglicht es ihm, Putins Aktionen zu beeinflussen und das militärische Vorgehen zu kritisieren.“

Um die Hardliner zu besänftigen, habe Putin den angeschlagenen Lapin im Sommer 2022 entlassen. Seine Wiedereinsetzung „könnte als Putins Schritt angesehen werden, um Prigoschins Einfluss zu beschränken“. Es sei „ein politisches Spiel“, erklärte sie, bei dem Putin „sich niemandem beugen“ wolle. (Christian Stör)

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