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Geldnot im Kreml? Vorschlag von Wagner-Boss könnte Putin zu heikler Maßnahme drängen

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Von: Hannes Niemeyer

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Krieg ist nicht nur grausam, sondern auch teuer. Das merkt mittlerweile auch Russland. Wagner-Boss Prigoschin erhöht daher nun den Druck auf Putin.

Moskau – Seit nunmehr zehn Monaten tobt der Ukraine-Krieg bereits. Die Verluste sind hoch. Nicht nur sterben Tausende von Menschen, auch Material und Ausrüstung wird zerstört. Das Medienprojekt Kyiv Independent veröffentlicht hierzu täglich eine Liste russischer Kriegsverluste. Neben mittlerweile über 100.000 gefallenen Soldaten soll die Armee von Wladimir Putin mittlerweile über 6000 Schützenpanzer, über 3000 Kampfpanzer, etliches an Artillerie und Drohnen, über 280 Flugzeuge, über 260 Helikopter und sogar 16 Schiffe verloren haben. Einige der Wracks wecken Interesse beim BND.

Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben wie so oft im Krieg natürlich nicht. Dass auf russischer Seite einiges an Ausrüstung hinüber ist, beweisen aber nicht zuletzt die zahlreichen Fotos zerstörter Panzer aus den Kriegsgebieten, wie Merkur.de berichtet. Und fest steht auch: So ein Krieg, so eine Zerstörung geht auch bei einer großen Nation wie Russland schwer ins Geld. Wie das Institute for the Study of War (ISW) nun erklärt, könnten die Silowiki nun eine neue Strategie in Angriff nehmen, um die Kassen wieder zu füllen. Die Silowiki sind führende Personen aus den Sicherheitsdiensten, die in Russland als wichtiger Teil des Machtzirkels gelten.

„Putins Koch“ stellt heikle Forderung: Zieht Russland bald Oligarchen-Vermögen ein?

Wenn es nach Jewgeni Prigoschin geht, soll es nun dem Vermögen von Oligarchen an den Kragen gehen. Der Finanzier und Chef der Söldnergruppe Wagner, der auch als „Putins Koch“ bekannt ist, äußerte laut dem ISW auf der Beerdigung eines Wagner-Soldaten an Heiligabend seine Gedanken zum Finanz-Thema. Nach Prigoschins Willen sollte der Kreml demnach Unterkünfte und Luxusgüter von Eliten beschlagnahmen, die sich bisher der Kriegsunterstützung aus Sorge vor Verlust ihrer Privilegien verweigern.

Auf der Beerdigung eines Wagner-Soldaten sprach Jewgeni Prigoschin über Oligarchen-Enteignung.
Auf der Beerdigung eines Wagner-Soldaten sprach Jewgeni Prigoschin über Oligarchen-Enteignung. © picture alliance/dpa/AP | Uncredited

Ein Anzeichen von Geldnot im Krieg? Das ist unklar. Laut „Putins Koch“, der zuletzt mit einer drastischen Sendung an die EU auffiel, unterstützt besagte Gruppe an Oligarchen aber eine Vision, in der „westliche Kuratoren“ Russland dominieren und dafür im Gegenzug ihren Lebensstil fördern. Außerdem verglich Prigoschin die heutige russische Oligarchie mit der Ukraine oder mit Russland in den 1990er Jahren.

Westlich orientierte Oligarchen als „Gefahr“ für Russland: Prigoschin will Beschlagnahmung

Es wäre nicht das erste Mal, dass Prigoschin in seiner Funktion als hochrangiger Vertrauter Putins auf einer Veranstaltung wie einer Trauerfeier für einen Wagner-Sölnder Werbung für seine eigenen politischen Ziele und Ideen macht. Eine ähnliche Situation nutzte er bereits zuvor, um für die Legalisierung der Gruppe Wagner in Russland zu werben. Auch seine neuen Aussagen zur Umverteilung von Reichtümern in Russlands Elite stießen laut ISW im Netz bei gleichgesinnten Militärbloggern auf breite Zustimmung. Das ISW geht daher davon aus, dass Prigoschin nutze solch populistische Vorschläge nutzt, um seine Autorität zu stärken oder auch um eine Rückkehr zu strengeren Verstaatlichungsmaßnahmen voranzutreiben.

Bei Wladimir Putin könnte der Wagner-Boss dabei durchaus auf offene Ohren stoßen. Der Kreml-Chef selber hatte erst wenige Tage vor Weihnachten russische Oligarchen verbal indirekt attackiert. Ihm zufolge stellen Russen, die russisches Geld ins Ausland abzögen und keine Verbindung zu ihrem Heimatland hätten, eine „Gefahr“ dar.

Heikler Vorschlag vom Wagner-Chef: Mit Verstaatlichungsmaßnahmen ist Wladimir Putin vertraut

Strikte Verstaatlichungsmaßnahmen sind Putin außerdem nicht fremd. Er selber trieb in den frühen 2000ern die Verstaatlichung großer Unternehmen voran, „um seine autoritäre Kleptokratie“ zu stärken, wie das ISW weiter schreibt. Laut den Experten versucht Putin nun möglicherweise, die Verstaatlichung zu nutzen, „um Eliten zu zwingen, seinen Krieg in der Ukraine zu unterstützen, oder ihr Eigentum zu beschlagnahmen, um Militärausgaben zu finanzieren.“

Eine weitere Spar-Möglichkeit für Russland? Den Krieg beenden. Wladimir Putin sprach nun plötzlich genau davon. (han)

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