Creditreform-Geschäftsführer Bissel kritisiert Bildung und Willen der Nachwuchskräfte

Qualität bleibt auf Strecke

Im Sog der Geschwindigkeit: Schneller Abitur machen, schneller das stark verschulte Bachelor-Studium durchziehen, ohne nach rechts oder links zu gucken – so geht Ausbildung heute. Der Geschäftsführer der Creditreform stellt nun fest und kritisiert : Die Qualität der Absolventen wird schlechter. Foto: dpa

Hannover. Bei Turbo-Abi und Bachelor-Studium kommen nach Ansicht der unternehmensnahen Dienstleister Im Norden gesellschaftliche Erfahrungen und soziale Fähigkeiten zu kurz.

"Die Persönlichkeitsbildung bleibt auf der Strecke“, sagte Creditreform-Geschäftsführer Holger Bissel gestern in Hannover. „Mir graust vor der Schar der 21-Jährigen, die sofort Manager werden wollen und dann die Unternehmen in Versuchslabore verwandeln.“

Das Abitur nach zwölf Jahren sei weniger den Bedürfnissen der Wirtschaft, sondern vielmehr den Sparzwängen der Länderhaushalte geschuldet, meinte Bissel. „Ein Jahr weniger Gymnasium bedeutet schließlich zwölf Prozent weniger Lehrerstellen.“

„Mir graust vor der Schar der 21-Jährigen, die sofort Manager werden wollen und dann die Unternehmen in Versuchslabore verwandeln.“

Holger Bissel

Hart ging Bissel allerdings auch mit der mangelnden Leistungsfähigkeit und -bereitschaft der Job-Bewerber ins Gericht. „Nur einer von dreien bleibt nach der Probezeit übrig.“ Zwar seien durchaus Intelligenz und Fachkenntnisse vorhanden, oft fehle es aber schlicht an der „Lust zum Arbeiten“, beklagte der Creditreform-Chef. Viele der neueingestellten Arbeitnehmer, insbesondere Akademiker hätten bereits Probleme mit dem frühen Aufstehen. Dies verschärfe den seit Jahren anwachsenden Fachkräftemangel.

Gemeinsam mit dem Unternehmerverband für Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen AGA erstellt Creditreform für den Norden die jährliche Konjunkturanalyse „DiNo“ für Dienstleistungsgruppen. Diese reichen von der Gebäudereinigung über Versicherungen, Informationstechnologie und Logistik bis hin zu Marketing, Laborservice und Zeitarbeit.

Trotz der Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden, sieht sich die Branche sich als kräftigster Jobmotor im Norden. 20 300 neue Arbeitsplätze in Niedersachsen haben die Dienstleister nach eigenen Angaben bereits in diesem Jahr geschaffen. 2012 sollen weitere 9500 dazukommen.

Insgesamt sind bei den etwa 74 000 Firmen in Niedersachsen 618 000 Menschen beschäftigt.

Von Peter Mlodoch

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