Rabatte für Bischöfe: Das sind die Stellungnahmen

Unsere Frage an Bischöfe im HNA-Gebiet und Autokonzerne: „Stellungnahmen von Kirchen und Verkehrsexperten ist zu entnehmen, dass Autohersteller aus Marketinggesichtspunkten gerade für große und starke Modelle, wenn Bischöfe sie fahren, besonders große und starke Rabatte gewähren. Was offenbar nicht nur für Kirchen gilt! Können Sie zur Rabattierung bei Kauf/Leasing von Dienstwagen für Bischöfe, Minister, TV-Stars, Sportlern etc. Details nennen?“ Die Antworten:

Pressestelle der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), Kassel:

"Grundsätzlich sei noch einmal darauf hingewiesen, dass Fahrten mit der Bahn als dem umweltverträglichsten Beförderungsmittel absoluten Vorrang haben, der Bischof besitzt eine Bahncard. Der Dienstwagen wird als Teil eines Fahrzeugpools eingesetzt und ist nicht der persönliche Dienstwagen des Bischofs. Zusätzlich zu diesen bereits geltend gemachten Hinweisen ist noch Folgendes festzuhalten: Die öffentliche Diskussion um die Fragen nach der Umweltverträglichkeit der kirchlichen Dienstwagen zeigte ein doppeltes Gesicht. Auf der einen Seite wurde eine überraschend hohe Erwartung an die Kirchen als Vorreiter beim Setzen moralischer Standards sichtbar. Nur so kann der Ton der Empörung verstanden werden, der sich in öffentlichen Äußerungen zeigt, der nicht immer der Sache angemessen war, aber dem Anliegen durchaus entsprach. Im Rahmen der zahlreichen Bemühungen gerade der Kirche auf allen Ebenen, von der Landeskirche bis zur einzelnen Kirchengemeinde, dem Thema einer ökologisch vertretbaren Lebensführung breiten Raum einzuräumen, ist das ein ermutigendes Zeichen. Auf der anderen Seite zeigt sich, dass die Frage danach, wofür und auf welche Weise in der Kirche Geld ausgegeben wird, eine kirchenpolitische Frage ist. Die jetzigen Dienstwagen sind, wegen der entsprechenden Leasingangebote der Automobilhersteller, so preiswert, dass sich die Entscheidung für einen Dienstwagen bisher aus der gebotenen Sorgfalt im Umgang mit Kirchensteuergeldern ergab. Die Einsparvorgaben in der Finanzplanung sind bisher nur auf diese Weise annähernd zu erfüllen. Weitere wichtige Gesichtspunkte bei der Auswahl der Fahrzeuge sind die Sicherheit der Fahrer und der Insassen sowie ein gewisser Komfort, der es ermöglicht, die Dienstreisen zur Erledigung anstehender Arbeiten zu nutzen. Bei einer Jahreskilometerleistung von rund 50.000 km hat die Sicherheit des Dienstwagens große Priorität. Der Ertrag der Umfrage durch die DUH und die damit ausgelöste Diskussion wird jetzt sorgfältig geprüft und die Frage der Balance von Umweltverträglichkeit, Finanzierbarkeit und Sicherheit neu gestellt. Es sind einige Anregungen eingegangen, die bedacht werden, wenn wir künftig versuchen, die Vorgaben der internationalen Klimaallianz, bei der die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck Mitglied ist, umzusetzen. Das ist ein mühsamer, zeit- und kostenintensiver, aber wichtiger und lohnender Prozess."

Franz Reuting, Finanzdirektor des Bistums Fulda:

„Die Rabatte, die Mercedes Trägern öffentlicher Meinung, darunter Bischöfen und Oberbürgermeistern, aus Werbegründen beim Leasing eines Dienstwagens gewährt, sind für unser Bistum, das öffentliche Gelder, nämlich Kirchensteuermittel, zu verwalten hat, äußerst günstig – wesentlich günstiger, als wenn stattdessen ein Mittelklassewagen gefahren würde. Auch die Sicherheit eines solchen Fahrzeuges spielt bei unseren Überlegungen eine Rolle. Da dieses Leasing wirtschaftlich sinnvoll ist, habe ich die entsprechende Entscheidung getroffen. Gerne würde ich selbst so ein Angebot in Anspruch nehmen, aber ich bin nun einmal nicht wichtig genug, um als ‚Träger öffentlicher Meinung’ eingestuft zu werden ...“

Pressestelle der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers:

„Es gibt in der Tat einen hohen Rabatt auf die Leasingkosten des Dienstwagens für den Landesbischof. Ausschlaggebend dafür ist unserer Kenntnis nach ein besonderer Rabatt für VIPs. Weitere Informationen liegen uns nicht vor. Insgesamt gilt, was Landesbischof Meister zum Ergebnis des DUH-Emissions-Checks von Dienstwagen gesagt hat: "Das ist eine Situation, die wir kritisch wahrnehmen. Die Leasingverträge binden uns nicht langfristig, so werden wir Alternativen prüfen."

Pressestelle des Bistums Hildesheim:

"Meine Recherche bezüglich der Rabattierung von Bischofsdienstwagen hat ergeben, dass wir die normalen VW- Konditionen haben, also das normale Abkommen für Großabnehmer."

BMW Group, Konzernkommunikation und Politik:

„Öffentliche Institution, wie auch Kirchen, gehören bei der BMW Group zum Behördengeschäft. Wir konzentrieren uns dabei auf die Belieferung von Institutionen, nicht einzelner Personen. Das Geschäft ist durch das öffentliche Vergaberecht reglementiert, d.h. eher kein „klassischer“ Verkauf oder Leasing von Fahrzeugen. Häufig bestimmen Ausschreibungen sowie Beschaffungsobergrenzen in den Haushaltsrichtlinien den preislichen Rahmen, nicht die jeweiligen Anbieter durch Ihre Angebote. Damit sind die verfügbaren Budgets durch öffentliche Bestimmungen definiert, an die wir uns natürlich wie andere Anbieter auch halten. Für viele Behörden spielen zudem qualitative Kriterien eine große Rolle bei der Frage, für welchen Hersteller sie sich entscheiden. Dabei stehen besonders Nachhaltigkeit und Effizienz hoch im Kurs. So bestimmt z. B. die „Car Policy“ vieler Behörden, wie hoch der CO2 Ausstoß bei den Fahrzeugen für bestimmte Funktionsinhaber maximal sein darf.“

Volkswagen Group Fleet International:

„Der Konzern bietet über seine Marken differenzierte Programme für einzelne Zielgruppen an. Aufgrund verschiedener Einflussfaktoren hinsichtlich einer Vertragsgestaltung können wir hier kein generelles/einheitliches Bild abbilden."

Pressestelle Vertrieb & Marketing Audi AG:

"Dazu kann ich leider keine Auskunft geben: in der Tat haben wir für einige Kundengruppen Sonderkonditionen, äußern uns aus Gründen der Vertraulichkeit allerdings nicht zu der Höhe.“

Pressestelle Mercedes-Benz Vertrieb Deutschland:

„Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns generell nicht zu einzelnen Kunden äußern. Insofern muss ich Sie bitten, sich an die entsprechenden Stellen der Landeskirchen zu wenden.“

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