Rätselraten um Castor-Fahrplan: Kommt Zug durch Hessen?

Frankfurt. Rollt der Castor-Transport auch durch Hessen oder nicht? Am Donnerstag war weiter unklar, ob der mit hoch radioaktivem Atommüll beladende Zug bei seinem Weg von Frankreich ins Zwischenlager Gorleben durch das Bundesland fährt.

Die mögliche Route könne aus Sicherheitsgründen nicht mitgeteilt werden, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Die hessischen Behörden erwarteten zahlreiche friedliche Proteste im Land.

Begleitet von massiven Sicherheitsvorkehrungen hat sich der Transport mit elf Spezialbehältern am Donnerstag der deutschen Grenze genähert. Er erreichte am Vormittag die französische Gemeinde Rémilly rund 65 Autokilometer südwestlich von Saarbrücken. Nach dpa-Informationen aus Polizeikreisen war dort ein 24-stündiger Zwischenstopp geplant.

Ein französischer Greenpeace-Sprecher erklärte, das ungewöhnlich große Polizeiaufgebot in Rémilly könne auf einen längeren Halt hindeuten. Offensichtlich sollten dort auch Zugpersonal und Lokomotive ausgetauscht werden. Voraussichtlich kommt der Zug daher erst am Freitag nach Deutschland.

Die hessische Polizei rechne nicht mehr mit einem Eintreffen des Zuges am Donnerstag, hieß es. Atomkraft-Gegner in Hessen bereiteten sich auf den Castor-Transport vor: Die Initiative „Atomkraftende Darmstadt“ plant eine Mahnwache am Bahnhof im Stadtteil Kranichstein. „Wir wollen ein Anlaufpunkt für Bürger sein, die ihre Proteste anbringen wollen“, sagte ein Mitglied am Donnerstag. Die Initiative rechnet mit mindestens 20 Teilnehmern.

Im November vergangenen Jahres hatte der Castor-Transport in Darmstadt-Kranichstein gehalten, Demonstranten besetzten die Gleise. In Kassel plant die Initiative „Anti-Atom-Spazierung Kassel“ Mahnwachen am ICE-Bahnhof Wilhelmshöhe.

Im Saarland richteten sich die Sicherheitskräfte auf die Ankunft des Zuges am Freitagmittag ein. Wenn der Zug die Strecke Richtung Saarbrücken nimmt, würde er über Neunkirchen Richtung Rheinland-Pfalz weiterfahren. In der saarländischen Stadt würden dann voraussichtlich deutsche Polizisten die Bewachung des Transports von ihren französischen Kollegen übernehmen, hieß es. Andere mögliche Routen führen von Frankreich aus über das pfälzische Berg oder Kehl in Baden-Württemberg.

Der Transport bringt deutschen Atommüll aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague nach Gorleben in Niedersachsen. Bereits am Mittwoch hatte es in Frankreich erhebliche Proteste gegen den Castortransport gegeben. Sicherheitskräfte setzten Schlagstöcke und Tränengas gegen Atomkraftgegner ein, die in Sperrzonen vordringen wollten. 16 Demonstranten wurden festgenommen. Mindestens drei Menschen - darunter ein Gendarm - wurden leicht verletzt. Die nächtliche Fahrt verlief ohne große Störungen.

Greenpeace und andere Organisationen halten den Salzstock an der früheren DDR-Grenze im niedersächsischen Wendland für zu unsicher, um hier den Müll für sehr lange Zeit in rund 800 Metern Tiefe zu lagern. Daher gibt es seit Jahren Proteste gegen Castor-Transporte in das nahe des Salzstocks gelegene oberirdische Zwischenlager, wo der Müll bis zur Endlagerung abkühlen soll.

Der laufende Transport ist der letzte mit hoch radioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente in Frankreich Richtung Gorleben. Bundesregierung und Energieversorger hatten sich bereits vor Jahren darauf verständigt, vom 1. Juli 2005 an keine abgebrannten Brennelemente mehr wieder aufarbeiten zu lassen. Die Bundesrepublik ist jedoch verpflichtet, den bereits früher ins Ausland transportierten Atommüll zurückzunehmen. (dpa)

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