Randale vor Bundesligaspiel

Randale vor Bundesligaspiel: Fußballfans behinderten Bahnverkehr

Bremen/Hannover. Bei der Anreise zum Bundesligaspiel Werder Bremen - Hannover 96 haben Hannoveraner Fußballfans am Freitagabend eine Streckensperrung im Bahnhof Achim verursacht. Zudem kam es zu Rangeleien mit der Polizei, die Schlagstöcke und Pfeffersprays einsetzte.

Der Regionalexpress 4424 mit rund 700 Fans, davon ca. 300 Ultras, am Freitagnachmittag auf der Fahrt nach Bremen. Bereits kurz nach der Abfahrt aus Hannover gingen aus dem Zug über die Hotline der Bundespolizei Beschwerden von Reisenden wegen Pöbeleien und Rauchens durch Fußballfans ein. Unbekannte zogen zudem die Notbremse - verletzt wurde niemand.

In Achim stieg die Gruppe der ca. 150 Ultras aus. Sie forderten alle Fans auf, ebenfalls auszusteigen, um nur bis Bremen-Sebaldsbrück zu fahren und so die Begleitung der Polizei in Bussen zum Weserstadion zu umgehen. Etwa 150 weitere Fans folgten dem Aufruf. Diese Möglichkeit des Aussteigens in Sebaldsbrück gab es jedoch nicht.

Die restlichen 400 Fans erreichten Bremen, zündeten jedoch zwei bengalische Feuer auf dem Bahnsteig.

Auf dem Bahnsteig in Achim zündeten die zurückgebliebenen Fans ebenfalls bengalische Feuer und Böller. Es kam zu Rangeleien mit der Polizei. Zahlreiche Fans urinierten auf die Gleise oder überschritten die Strecke. Man wollte versuchen, den nächsten Zug nach Bremen zu stoppen. Aus Sicherheitsgründen musste der Bahnhof voll gesperrt werden. Ein Entlastungszug hatte deswegen ebenfalls Verspätung. Nähere Einzelheiten zu den Vorkommnissen in Achim werden noch ermittelt.

Aufgrund dieser Vorfälle sah der Polizeiführer der Bremer Einsatzleitung die Sicherheit des Stadtgebietes durch diese große Gruppe gefährdet. Er ordnete ein Betretungsverbot für die Stadt Bremen gegen die Ultras an. In diesem Zusammenhang bestand Schulterschluss mit der Bundespolizei, dass Fans nicht den Spielort erreichen, wenn sie unterwegs Straftaten begehen. Einsatzkräfte der Polizei Hannover und der Bundespolizei rückten in Achim an. Zur Aufklärung und Überwachung kreiste ein Hubschrauber der Bundespolizei über dem Bahnhof.

Gegen 20.40 Uhr wurden die Ultras mit einem Regionalexpress aus Bremen zurück nach Hannover begleitet. Die Abfahrt verhinderten Fans mehrfach durch Ziehen der Notbremse und Blockieren der Türen. Kurzzeitig kam es zum Schlagstockeinsatz. In der Zeit von 18.10  bis 20.50 Uhr musste die Strecke voll gesperrt werden. Die Bilanz für Bahnreisende: Sieben Zugverspätungen, acht umgeleitete Züge, sieben Teilausfälle, fünf gezogene Notbremsen.

„Wenn wir unsere Ziele erreichen wollen, müssen wir auch auswärts punkten. Das ist derzeit unsere Schwäche“, erklärte der Vereinschef der 96-Profis, Martin Kind. Er ärgerte sich nicht nur über die achte Auswärtspleite der 96-Profis, die wortkarg in den Bus stiegen und die Heimreise in das 130 Kilometer entfernte Hannover antraten. Das angespannte Verhältnis zu den eigenen Fans verschlechterte sich noch mehr.

Im Stadion wurde wieder einmal gezündelt. „Den Täter haben wir identifiziert“, sagte Kind am Samstag. Zu den Randalierern vor den Toren Bremens sagte er:„Das ist völlig inakzeptabel. Für mich sind das Pseudo-Fans, die die Plattform Bundesliga missbrauchen.“ 

„Respekt vor dem konsequenten Einsatz der Polizei. Wichtig ist, dass die persönlichen Daten erfasst wurden“, sagte Kind. Der Verein behalte sich zusätzlich eigene Maßnahmen gegen die Randalierer vor.

Wie die Polizei am Samstagnachmittag mitteilte, müssen die Randalierer wegen des Verdachtes gemeinschaftlich begangenen Landfriedensbruchs, Missbrauch von Nothilfemitteln, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Sachbeschädigung mit Strafanzeigen rechnen. Wegen der stundenlangen Zugverspätungen sind außerdem zivilrechtliche Forderungen in noch unbekannter Höhe zu erwarten.

(red/bas/dpa)

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.