Wolf ist streng geschützte Art 

Raubtier-Nachwuchs in Thüringen: Vier von sechs Wolfshybriden sind tot

+
Kastenfalle für Wölfe auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf.

Erfurt. Drei der sechs Wolf-Hund-Mischlinge auf dem Thüringer Truppenübungsplatz Ohrdruf nahe Gotha sind im Auftrag des Landes abgeschossen worden, ein weiterer kam bei Gotha unter einen Zug.

Das sagte Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) am Dienstag in Erfurt. Dass die Mischlinge – Mutter Wölfin, Vater Labradorhund – aus freier Wildbahn entfernt werden sollten, war seit Herbst klar: Der Wolf ist eine streng geschützte Art – und der soll das weitere Eindringen von Hundegenen erspart bleiben.

Die 2017 geborenen Wolfshybriden sollen sich nicht weiter verpaaren. Sie deshalb abzuschießen, war nur Plan B. Lieber hätte das Umweltministerium sie im nordthüringischen Bärenpark Worbis gesehen. Dort waren für fünfstellige Summen Gehege umgebaut worden. Der Umzug dorthin scheiterte aber – die schwarzfelligen Mischlinge ließen sich weder von Kasten-noch in Schlingfallen fangen.

Die werden jetzt zügig wieder abgebaut. Beim Wild kommt bald der Nachwuchs: Muttertiere jedweder Art seien in Gefahr, in die Wolfsfallen zu geraten, so Siegesmund. Für Jungtiere könne das zum Todesurteil werden.

Abschuss geht weiter

Falls auf dem weitläufigen Gelände des Truppenübungsplatzes Ohrdruf Jäger im Landesauftrag die beiden übriggebliebenen Wolf-Hund-Mischlinge noch vor die Flinte bekämen, würden sie abdrücken, heißt es im Ministerium. Die Fährten zu verfolgen wird ohne Schnee aber schwieriger. Für ein knappes Fünftel des 4500 Hektar großen Militärareals gilt laut Ministerium wegen Schießbetrieb und Munitionsresten im Boden sowieso absolutes Betretungsverbot.

Auch die Beobachtung läuft weiter: Nach Einschätzung von Experten „ist die Ohrdrufer Wölfin die bundesweit bestbewachte, da wir dort inzwischen eine Kameradichte haben, die woanders nicht zu finden ist“, heißt es in Erfurt.

Aus Sicht des Artenschutzes wäre es prima, wenn die Wölfin, die hier seit 2014 ansässig ist, endlich einen Wolfsrüden zur Seite hätte. Hat sie aber nicht – die Gefahr, dass sie sich erneut mit einem streunenden Hund paart, sieht auch das Ministerium.

Mindestens zwei frei laufende Hunde waren neben Füchsen, Wildkatzen und Greifvögeln in die Hybrid-Fallen auf dem Truppenübungsplatz geraten. Bei Hundehaltern der Region wird seit Längerem fürs Anleinen geworben.

Geld für Gehege

Das Geld für neue Gehege im Bärenpark Worbis sieht Ministerin Siegesmund so oder so gut angelegt: „Wir sind Wolfserwartungsland. Viele Tiere sterben, wenn sie auf ihren langen Wanderungen Straßen queren müssen. Sollten sich Tiere jedoch dabei verletzen und aufgefunden werden, müssen wir dafür Sorge tragen, dass sie versorgt werden“, so die Ministerin. „Dafür steht uns nun der Bärenpark Worbis besser ausgestattet zur Verfügung.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.