Neue Studie

Studie: Ein Raucher kostet die deutsche Volkswirtschaft 3900 Euro pro Jahr

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Teurer Genuss: Medizinische Behandlungen und Fehlzeiten eines Rauchers kosten die Volkswirtschaft 700 Euro pro Jahr mehr als die eines Nichtrauchers.

Kassel. Ob jemand raucht oder nicht, ist durchaus keine reine Privatangelegenheit. Raucher und Ex-Raucher kosten die deutsche Volkswirtschaft deutlich mehr Geld als Nichtraucher. Das geht aus einer Studie hervor, die jetzt in der Fachzeitschrift „BMC Health Services Research“ erschienen ist.

Danach sind die Kosten für medizinische Versorgung und Arbeitsausfall bei einem Raucher pro Jahr 700 Euro höher als bei einem Nichtraucher. Für einen Ex-Raucher liegen die Kosten sogar 1100 Euro höher.

Für die Erhebung untersuchten Wissenschaftler des Münchner Helmholtz-Zentrums die Daten von rund 3000 Erwachsenen aus der Kora-Studie. In Kora-Studien werden seit über 20 Jahren die Gesundheit Tausender Deutscher sowie die Auswirkungen von Umweltfaktoren, Verhalten und Genen untersucht. Laut Münchner Forscher lagen im Jahr 2008 die Kosten für medizinische Versorgung und Arbeitsausfall eines Nichtrauchers bei 3200 Euro, für Raucher bei 3900 Euro, für Ex-Raucher bei 4300 Euro.

Mittelfeld in Europa

Die Studie zeigt diese Kosten erstmals für Deutschland auf. Den Angaben zufolge rauchen in Deutschland 30 Prozent der Erwachsenen, das ist in Europa im Mittelfeld. Die Autoren schreiben, dass vorhergehende Untersuchungen gezeigt hätten, dass Raucher häufiger medizinische Versorgung in Anspruch nähmen und am Arbeitsplatz fehlten und somit höhere Kosten verursachen würden.

Tatsächlich seien Raucher insgesamt anfälliger für Infektionen, sagt Prof. Dr. Stefan Andreas, Ärztlicher Leiter der Lungenfachklinik Immenhausen (Kreis Kassel). Sie litten häufiger unter Bronchitis, Lungenentzündungen, Lungenkrebs und COPD (chronische Lungenerkrankung). Dass Ex-Raucher sogar noch höhere Kosten verursachen als Raucher, erklärt Andreas damit, dass viele Raucher erst von Zigaretten lassen, wenn sie ernsthaft erkrankt sind. „Kosten entstehen ja erst, wenn man zum Arzt geht.“

Das Durchschnittsalter eines Rauchers wird in der Studie mit 49 Jahren angegeben, das eines Ex-Rauchers mit 57 Jahren. „Ex-Raucher leben länger und gesünder“, sagt Andreas. Aus anderen Studien sei bekannt, dass Ex-Raucher langsam weniger Kosten verursachen. „Die Kosten fallen ab im Vergleich zu jemandem, der weiter raucht.“ Der Studie zufolge sind Ex-Raucher sportlich aktiver als Raucher und Nicht-Raucher, allerdings nicht ganz so aktiv wie gelegentliche Raucher.

„Die Angaben für Ex-Raucher halte ich für zu hoch gegriffen“, sagt dagegen Tobias Effertz vom Institut für Recht und Wirtschaft der Universität Hamburg. Die Hochschule hatte in einer früheren Untersuchung ausgerechnet, dass Raucher in Deutschland Kosten von 35 Milliarden Euro pro Jahr verursachen, also 2180 Euro pro Raucher. Aus Studien sei bekannt, dass sich Sterberisiko und Krankheitsverläufe nach dem Verzicht auf Tabak deutlich verbesserten und damit weniger volkswirtschaftliche Kosten entstünden als bei aktiven Rauchern. (mit dpa)

Das sagen die Krankenkassen

Bei den Gesetzlichen Krankenkassen sind höhere Beiträge für Raucher kein Thema. „Es ist nicht geplant, dass Raucher höhere Beiträge zahlen sollen“, sagte eine Sprecherin des Spitzenverbands der Gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen in Berlin.

Anders sollen private Krankenkassen damit umgehen. Einige Versicherer fragten nach dem Rauchverhalten, sagte ein Sprecher des Verbands der privaten Krankenversicherung (Berlin). Dies sei aber jedem Unternehmen selbst überlassen, eine einheitliche Regelung gebe es nicht. Angaben, welche Versicherer Rauchen in der Tarifkalkulation berücksichtigen, machte er nicht.

Die DKV und die Barmenia fragen nach eigenen Angaben das Rauchverhalten nicht ab. Die HanseMerkur belohnt Gesundheitsbewusstsein: Nach einem Gesundheitscheck, bei dem auch das Nichtrauchen erfasst wird, kann der Kunde einen Rabatt auf bestimmte Tarife erhalten. (coe)

Von Tatjana Coerschulte

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