Analyse: Warum ein russischer Produzent den Kalimarkt auf den Kopf stellen kann

Raue Zeiten für K+S

Weißes Gold: Kali ist ein begehrter Dünger. Besonders hochwertig sind die Vorkommen im K+S-Werk Werra. Foto: dpa

Kassel. Seit der russische Branchenriese Uralkali mit Äußerungen über einen möglichen Preisverfall den Kalimarkt aufgemischt hat, ist die Aktie des Düngemittel- und Steinsalzherstellers K+S auf Berg- und Talfahrt. Vor einer Woche stürzte sie um 29 Prozent ab, seit Montag stieg sie wieder um fünf Prozent auf 18,20 Euro am Freitag. Die Finanzaufsicht Bafin überprüft bereits, ob bei dem Handel Insidergeschäfte und Manipulationen im Spiel waren. Doch die Börse ist nicht das einzige Spielfeld des Kalimarktes, auf dem es gerade rau hergeht. Preispoker: Weltweit wurden 2012 knapp 55 Millionen Tonnen Kalidünger verkauft. Dabei geben zwei Kooperationen den Takt vor. Eine ist Canpotex, die Allianz der kanadischen Potash Corp sowie der US-Hersteller Mosaic und Agrium. Das andere Bündnis war die russische BPC, das der Branchenriese Uralkali vergangene Woche aufkündigte.

Die Allianzen handeln die Preise mit den Großabnehmern China, Indien und Brasilien aus. Die Ergebnisse haben Signalwirkung für den gesamten Kalimarkt. Auch K+S profitierte davon, ohne ein Bündnispartner zu sein. Das Duo Canpotex/BPC sorgte über Jahre für vergleichsweise hohe Preise und stattliche Gewinne.

Ein Preisverfall um ein Viertel auf 300 Dollar je Tonne, den Uralkali-Chef Vladislav Baumgertner ins Gespräch brachte, würde K+S bei Produktionskosten von etwa 280 Dollar je Tonne hart treffen, denn das Kalium- und Magnesiumgeschäft steht für zwei Drittel des Umsatzes. Wettbewerb: Nur ein Dutzend Länder auf der ganzen Welt haben Kalivorkommen. Ihre Erschließung geht ins Geld. Das von K+S geplante kanadische Bergwerk Legacy ist mit drei Milliarden Euro nicht der teuerste Neubau. Ebenfalls in Kanada werkelt der Bergbauriese BHP Billiton gerade am Jansen-Projekt, der Erschließung einer Kalimine für 14 Milliarden Euro.

Dass neue Konkurrenz zu buddeln beginnt, dürfte dem alten Platzhirschen kaum recht sein. „Uralkali strebt eine Marktbereinigung an“, erklärt Oliver Schwarz, Analyst bei Warburg Research, die Drohung der Russen, die Mengen auf Kosten der Preise heraufzufahren. Ihre Doppelstrategie ziele darauf ab, sich neue Wettbewerber vom Hals zu halten und etablierte Konkurrenz unter Druck zu setzen. Ob die in Aussicht gestellten Kampfpreise lange Bestand hätten, ist indes fraglich: „Auf Dauer kann es nicht im Interesse eines Unternehmens sein, die Preise niedrig zu halten“, sagt Lars Hettche, Analyst beim Bankhaus Metzler. Es spricht vieles dafür, dass in ein bis zwei Jahren wieder eine gewisse Preisdisziplin einkehrt.“ Börse: Aus Angst vor einem Preissturz verramschten Anleger von New York bis Moskau ihre Kali-Aktien. Die Papiere wurden gleichzeitig zum Spielball für Spekulanten. Sie verkauften geliehene Kali-Papiere, um sie später billiger zurückzukaufen und verdienten so am Absturz. Strategie: K+S kann nicht von einem Tag zum anderen das Geschäft umbauen. Der Konzern hat zwar mit dem Salzgeschäft ein zweites Standbein, aber das ist nicht so ertragsstark wie die Kali- und Magnesiumsparte. Ein Pluspunkt sind Spezialdünger. Doch eine Mengenausweitung zu günstigeren Produktionskosten wird erst Legacy bringen – ab dem Jahr 2016,

Von Barbara Will

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