Supermarkt-Kette will mit Eigenprodukten ärmere Kunden erreichen

Real greift an: Neuer Preiskampf im Billigbereich

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Einkauf im Supermarkt: Die Real-Kette will den Discountern im Billigbereich Konkurrenz machen.

Kassel. Wer in Real-Supermärkten einkauft, sieht seit kurzem an prominenten Plätzen in den Läden knallgelb verpackte Produkte zu Discountpreisen. Was da unter dem Slogan „Ohne Schnickschnack. Ohne teuer“ angeboten wird, ist mehr als nur ein zeitlich begrenztes Sonderangebot.

Die Realmärkte wollen mit so genannten „No Name Produkten“ neue Kundenkreise erschließen und den klassischen Discountern Aldi und Lidl in diesem Segment Konkurrenz machen.

Zu den Preisbrechern in den über 300 deutschen Realmärkten gehören knapp 20 verschiedene Artikel: Nudeln, Fruchtsäfte, Toilettenpapier, Wurst, Obst, Gemüse, Glühbirnen und Socken. All diese Produkte tragen keinen bekannten Markennamen, sondern sind sind Eigenprodukte des SB-Warenhauses, das zur Metrogruppe gehört. Wenn das Projekt ein Erfolg wird, kann es nach Real-Plänen auf weitere Waren ausgedehnt werden. Von 200 bis zu 2000 verschiedenen Produkten ist die Rede. Bei dem zurzeit eher kleinen Angebot solle es nicht bleiben.

Hinter der Aktion steckt ein neuer Gedanke. Angesprochen werden sollen auch ärmere Haushalte, für die die Waren in den klassischen Discountern noch immer zu teuer sind. Handelsexperte Matthias Queck vom Beratungsunternehmen „Planet Retail“ erklärt: „Es gibt durchaus eine Klientel, die noch billiger einkaufen muss“.

Auch Real sagt, dass sich das Angebot „gezielt an die Kundengruppe richtet, die über eine geringere Kaufkraft als der Durchschnitt verfügt“. Die supergünstigen Preise haben allerdings auch einen Haken, nämlich bei der Qualität. Real-Chef Didier Fleury erklärte die Preisoffensive nach Angaben des Fachblattes „Lebensmittel Zeitung“ so: „Die Discounter haben ihre Qualität immer weiter nach oben geschraubt, so dass darunter wieder Raum ist.“

Alja-Claire Dufhues von der Real-Unternehmenskommunikation betonte aber gegenüber unserer Zeitung, dass die Produkte streng kontrolliert würden und denselben aufwändigen Qualitätssicherungsprozess wie alle anderen auch durchliefen. Bewusst verzichtet worden sei aber auf teure Verpackungen und ausgefallenes Verpackungsdesign. Regionale Unterschiede beim Angebot gebe es nicht.

Die Real-Aktion könnte den Markt für preiswerte Waren durcheinanderwerfen. Marktexperte Queck spricht gar von einem bevorstehenden Preiskrieg. Die Discounter Lidl und Aldi geben sich noch gelassen. Während Aldi grundsätzlich zu „unternehmensstrategischen Planungen keine Auskunft gibt“, erklärte Lidl lapidar: „Wir beobachten natürlich den Markt und nehmen die Veränderungen wahr. Letztlich liegt jedoch die Kaufentscheidung beim Kunden“.

Auf Prognosen, welche Reaktionen bei der Kokurrenz Real auslöst, lässt sich noch niemand ein. Die Kette zeigt sich aber mit der Resonanz der Kunden zufrieden.

Von Peter Klebe (mit dpa)

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