Grüne im Landtag verlangen Aufklärung nach wiederholten Übergriffen

Rechte Attacken auf Punker

Martialischer Auftritt: Unser Foto zeigt Neonazis bei einer Demonstration. Foto: dpa

Hannover. Nach einer Serie von brutalen Überfällen auf links-alternative Jugendliche und Punker warnen Niedersachsens Grüne vor einer gezielten Strategie von militanten Neonazis. Mit mehreren Parlamentsanfragen will die Landtagsfraktion jetzt von Innenminister Uwe Schünemann (CDU) wissen, wie die schwarz-gelbe Landesregierung künftig potenzielle Opfer schützen will.

Erst schaute sich gegen 22 Uhr eine Zwei-Mann-Vorhut auf der Electro-Party in der „Wohnwelt“, einem alternativen Jugendzentrum in Wunstorf, um. Dann plötzlich legte das braune Überfall-Kommando los. Mit Teleskopstöcken und Schlagringen prügelten etwa 20 Eindringlinge auf die meist jugendlichen Gäste ein, dabei brüllten sie nach Aussagen von Tatzeugen: „Wo ist die Antifa?“. Es gab mehrere Verletzte, zwei Opfer mussten sich im Krankenhaus behandeln lassen. Die Polizei notierte in dieser Nacht des 19. Mai später am Bahnhof die Personalien der Angreifer – offenbar größtenteils Mitglieder der Bremer Neonazi-Gruppe „Nordsturm Brema“, die sich auf dem Rückweg von Essen in die Hansestadt befand. Bei der Ankunft in Bremen wollen Augenzeugen dann zwei szenekundige Beamte als V-Leute in der rechten Gruppe erkannt haben.

„Sollte sich dies als zutreffend herausstellen, würde das bedeuten, dass der Angriff unmittelbar unter den Augen der Polizei durchgeführt wurde“, sagt der grüne Abgeordnete Helge Limburg. Mit einer Landtagsanfrage will er nun von der CDU/FDP-Landesregierung wissen, ob tatsächlich Zivilbeamte vor Ort dabei waren. Und ob Schwarz-Gelb die Einschätzung teile, dass es sich um einen rechtsextremen Überfall handele. Die Polizei hatte nämlich zunächst politische Hintergründe verneint, es war vielmehr die Rede von randalierenden durchreisenden Fußballfans.

Brandanschlag

Der Vorfall in Wunstorf fügt sich ein in eine ganze Reihe von braunen Attacken in Niedersachsen in der jüngsten Zeit. Erst vor zehn Tagen wurde auf den autonomen Jugendtreff „Café Falkenkeller“ in Barsinghausen ein Brandanschlag verübt. Kurz davor griffen Teilnehmer des Naziaufmarsches in Hamburg auf ihrer Rückreise im Bahnhof Uelzen eine Gruppe linksgerichteter Jugendlicher an. Im Januar überfielen offenbar Besucher eines Konzerts der rechten Hooligan-Band „Kategorie C“ einen Punker in Delmenhorst. Eine Woche zuvor attackierten rund 70 Rechtsextreme auf der Rückreise von Magdeburg nach Münster kurz hinter Hannover vier linke Gegendemonstranten.

Die Grünen werfen Innenminister Uwe Schünemann indirekt vor, dem aggressiven Klima gegen linke Jugendliche Vorschub zu leisten, in dem dieser immer wieder das linke und rechte Spektrum gleichsetze und gleichermaßen als Bedrohung der Demokratie bezeichne.

Von Peter Mlodoch

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