„Pro Deutschland“ missachtet religiöse Gefühle

Rechte wollen Anti-Islam-Video öffentlich zeigen - Minister warnt

Mit ihm rief nicht irgendein Hassprediger zu Protesten gegen das Anti-Islamvideo auf, sondern der Chef der mächtigen Hisbollah, der militanten Schiitenorganisation im Libanon: Hassan Nasrallah.

Berlin. Der Prophet hat zu viel Schminke im Gesicht. Er spricht mit amerikanischem Akzent. Die Wüste, vor der er steht, ist eine Fototapete. Und dann wird Mohammed auch noch als blutiger Krieger, Frauenheld und Kinderschänder dargestellt.

Das Kino in Deutschland, das ein solches Schund-Video zeigt, muss erst noch gefunden werden. Die rechtspopulistische Partei Pro Deutschland hatte mit ihren Bemühungen jedenfalls noch keinen Erfolg. Und der Versuch, anderweitig Fakten zu schaffen, wurde gestern zu einer ziemlichen Pleite. Kurz nach 13 Uhr veröffentlichte die Partei auf ihrer Homepage ein Stück von einer Stunde und 14 Minuten, von dem Bundesgeschäftsführer Lars Seidensticker behauptete, dass dies nun die komplette Fassung von „Die Unschuld der Muslime“ sei - dem Film, dessen 14-minütiger Trailer in vielen islamischen Ländern schwere Proteste auslöste. Seidensticker: „Wir haben das zugespielt bekommen.“

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Nur wenig später war der Film aber schon wieder entfernt. Kleinlaut musste die Partei zugeben, dass es sich nur um eine „Zwischenfassung“ gehandelt habe. Nach Recherchen der „Tagesschau“ war es nicht einmal das, sondern nur der bekannte Trailer, mehrfach aneinander geschnitten. Urheber ist angeblich ein Christ aus dem Irak, der das Video am Wochenende bei Youtube hochlud. Dort ist das Machwerk immer noch zu sehen.

Die Bundesregierung setzt jetzt alles daran, dass sich Szenen wie im Mai in Solingen nicht wiederholen: Islamische Fundamentalisten, die nach einer Demonstration festgenommen werden. Fotos: dps

Inzwischen ist der Streit über eine öffentliche Aufführung voll entbrannt. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich will mit allen rechtlichen Mitteln verhindern, dass er vor Publikum gezeigt werden darf. „Der Film reiht sich ein in eine ganze Serie von Geschmacklosigkeiten und Missachtungen von religiösen Gefühlen“, sagte der CSU-Politiker. „Gefragt ist jetzt die Klugheit aller, sich nicht provozieren zu lassen.“

Die Opposition warnt davor, dem Film mit einem Verbotsverfahren noch mehr Aufmerksamkeit zu verleihen. Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz sagte der „tageszeitung“, Verbote könnten nur das letzte Mittel sein. Ähnlich sieht das Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck: Eine Aufführung sei durch die im Grundgesetz verankerte Meinungs- und Versammlungsfreiheit gedeckt. Möglicherweise könnte man aber versuchen, den Film wegen Verstoßes gegen die Völkerverständigung oder Verunglimpfung eines religiösen Bekenntnisses zu verbieten. (dpa) PRO UND KONTRA

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