Rechtsstreit um die Rennbahn in Frankfurt

DFB-Zentrale statt galoppierender Pferde: Das neue Leistungszentrum soll auf dem Gelände der Galopprennbahn in Frankfurt-Niederrad entstehen: Ein ansässiger Verein hat jetzt die EU-Kommission eingeschaltet: Die Stadt soll das Land zu günstig abgegeben haben. Fotos: dpa

Kassel/Frankfurt. Für 109 Millionen Euro soll in Frankfurt eine Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes entstehen. Doch der Bau wird von zahlreichen Problemen begleitet.

Es gab schon bessere Zeiten für den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Nach den Schlagzeilen rund ein möglicherweise „gekauftes Sommermärchen“ 2006 entwickelt sich der Bau der neuen DFB-Zentrale mit einer Nationalelf-Akademie in Frankfurt immer mehr zum Problemfall. Zwar scheiterte im vergangenen Jahr ein Bürgerentscheid, mit dem die Zentrale auf dem Gelände der Galopprennbahn verhindert werden sollte. Allerdings wehrt sich der dort ansässige Frankfurter Renn-Klub. Er weigert sich trotz Kündigung und Räumungsklage, das Gelände zu verlassen und pocht auf den laufenden Pachtvertrag. Jetzt hat er die EU-Kommission eingeschaltet.

Mit dem Bau des DFB-Leistungszentrums auf dem 200 000 Quadratmeter großen Gelände soll eigentlich Anfang 2017 begonnen werden. Nach Ansicht des Frankfurter Renn-Klubs, der dort die Pferderennen veranstaltete, hat die Stadt Frankfurt dem DFB das Gelände der bisherigen Pferderennbahn in Frankfurt-Niederrad weit unter Marktwert überlassen. Deshalb hat der Verein bei der EU-Kommission Beschwerde eingelegt.

Für die Nutzung über 99 Jahre zahlt der DFB 6,835 Millionen Euro, schreibt das Recherchebüro Correctiv. Laut des Renn-Klub-Schatzmeisters würden die Kosten für die Abrissarbeiten und Abfindungszahlungen die Erbpacht-Zahlungen des DFB überschreiten. Die Stadt mache ein Minusgeschäft, zitiert Correctiv den Schatzmeister. Allein die Auszahlung der Betreiber der Galopprennbahn und eines ansässigen Golfclubs koste sechs Millionen Euro.

Zudem sei das Gelände ohne öffentliches Gebotsverfahren an den DFB vergeben worden. „Wir haben detailliert aufgelistet, wie sich der Preis zusammensetzt“, sagt Mark Gellert, Sprecher des Planungsdezernats der Stadt Frankfurt gegenüber unserer Zeitung. „Der Preis ist angemessen.“ Im Magistrat sei das Projekt mehrheitlich beschlossen worden. Auch bei der Vergabe des Grundstücks ist nach Ansicht der Stadt alles korrekt gelaufen. „Wir sind gelassen, was die Prüfung der EU angeht“, sagt Gellert.

Schon vor dem Einschalten der EU-Kommission wehrte sich der Renn-Klub gegen das Ende der Bahn. Eigentlich hatte die Stadt geplant, das Areal zu Beginn dieses Jahres zu übergeben. Weil der Verein früh klarmachte, dass er sich nicht vertreiben lassen wird, hatte die Stadt diesem eine Räumungsklage zugestellt. Zwei Büroräume nutzt der Verein auf dem Gelände. Eine Entscheidung darüber ist noch nicht gefallen. Die Stadt drängt auf eine Entscheidung - das Landgericht hat dagegen für Juni einen Termin ins Auge gefasst.

Im Wust von Klagen und Gerichtsverfahren hat der Renn-Klub per Eilantrag zuletzt einen Sieg vor dem Oberlandesgericht errungen: Es untersagte der Stadt, die Tribüne auf dem Gelände abzureißen. Bis zur Klärung der Räumungsklage geht jetzt erst mal in Sachen Abriss oder Bau nichts mehr.

Historie: Die Galopprennbahn

Die Galopprennbahn in Frankfurt wurde am 20. August 1865 eröffnet. Sie ist damit nach Angaben des Frankfurter Renn-Klubs eine der ältesten Galopprennbahnen in Deutschland und die einzige in Hessen. Bevor das Gelände im Süden der Stadt im Zweiten Weltkrieg durch Bombenangriffe zerstört wurde, fanden dort bis zu 30 Renntage im Jahr statt. Nach seinem Wiederaufbau wurde der Platz 1946 offiziell neu eröffnet. Ein Golfplatz in der Mitte des Parcours sollte von 1997 an Geld in die Vereinskasse spülen. Dennoch ging der Klub 2008 in die Insolvenz. Im Herbst 2010 wurde der „Frankfurter Renn-Klub 2010“ ins Leben gerufen. (dpa/mho)

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