Nach Ottawa-Attentat:

Regierung sieht keine erhöhte Anschlagsgefahr

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Herrenloser Koffer: In Deutschland gibt es nach Einschätzung der Regierung derzeit lediglich eine „abstrakt hohe Gefährdung“.

Berlin - Das Attentat in Ottawa hat vorerst keine Auswirkungen auf die Sicherheitslage in Deutschland. Bundestagspräsident Lammert hat nach dem Anschlag zur Verteidigung von Demokratie aufgerufen.

Das Bundesinnenministerium versicherte am Donnerstag, derzeit habe man keine Hinweise auf konkrete Anschlagsplanungen oder einen bevorstehenden Anschlag. Es gebe lediglich eine „abstrakt hohe Gefährdung“, weil das Land im Fokus des dschihadistischen Terrorismus stehe. Bei dem Attentat im Regierungsviertel von Ottawa waren tags zuvor ein Soldat und der Angreifer selbst erschossen worden.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft sieht jedoch keinen Anlass zur Sorge. „Es gibt eine gute Erkenntnislage durch unsere Nachrichtendienste und auch durch die Zusammenarbeit mit internationalen Nachrichtendiensten“, sagte der Vorsitzende Rainer Wendt dem Fernsehsender n-tv.

Gleichzeitig warnte er aber, „dass wir keine Personalreserven haben, um möglicherweise gefährliche Einzeltäter rund um die Uhr bewachen zu können“. Der mutmaßliche Attentäter in Kanada stand Medienberichten zufolge als potenzieller Attentäter unter Beobachtung.

In Deutschland sind Gebäude von Bundestag und Bundesregierung besonders geschützt. Wer hinein will, muss sich anmelden und teilweise Sicherheitsschleusen mit Durchleuchtungsapparaten passieren.

Lammert: Demokratie und Freiheit verteidigen

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat nach dem Anschlag dazu aufgerufen, Demokratie und Freiheit weltweit zu verteidigen. Der Angriff habe "auch allen liberalen und demokratischen Gesellschaften" gegolten, schrieb Lammert in einem Solidaritätsbrief an den Präsidenten des Kanadischen Unterhauses, Andrew Scheer. "Unsere gemeinsame Haltung bleibt deshalb klar und fest: Wir werden uns nicht von Terroristen einschüchtern lassen", heißt es in dem Schreiben.

"Wir werden wachsam bleiben und wir werden unsere Werte, unsere Freiheit und unsere Demokratie verteidigen", betonte Lammert. "Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen des getöteten Soldaten und bei den Verletzten." Über die Sicherheitsvorkehrungen in den Gebäuden des Bundestages in Berlin wollte das Parlament auf Anfrage keine Auskunft geben.

Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zeigte sich bestürzt über den Anschlag. "Wir fühlen mit denjenigen, die Angehörige verloren haben", sagte er während seines Aufenthaltes in Aserbaidschans Hauptstadt Baku. Er hoffe, dass der Anschlag schnellstmöglich aufgeklärt werde.

In Ottawa hatte am Mittwoch ein bewaffneter Mann in der Nähe des Parlaments zunächst einen jungen Wachsoldaten tödlich verletzt. Dann stürmte der Angreifer in das Parlamentsgebäude, wo es zu einem Schusswechsel kam. Der Mann wurde dabei von einem Sicherheitsbediensteten erschossen. Die Hintergründe des Vorfalls blieben zunächst unklar.

dpa/afp

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