Vor dem Kindergartenbesuch ihrer Kinder

Regierung plant verpflichtende Impfberatung für Eltern

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Kassel/Berlin. Kinderkrankheiten sind bis heute nicht ausgerottet - auch weil manche Eltern ihre Kinder nicht impfen lassen wollen. Die Regierung plant deshalb eine Pflichtberatung für Eltern, deren Kinder in die Kita kommen.

Ärzten geht das nicht weit genug, doch eine Impfpflicht soll nicht kommen. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CSU) will Eltern von Kleinkindern verpflichten, vor dem Kindergartenbesuch eine Impfberatung beim Kinder- oder Hausarzt in Anspruch zu nehmen. „Wir wollen die Eltern damit an die Impfempfehlungen erinnern und die Impfraten erhöhen“, sagte Gröhes Sprecherin Katja Angeli unserer Zeitung. Das Vorhaben sei Teil des neuen Präventionsgesetzes, das am 17. Dezember im Kabinett beraten werden soll. Die Beratung werde dann von den Krankenkassen bezahlt.

Hintergrund: Immer wieder gibt es insbesondere Masernausbrüche, im vergangenen Jahr etwa in Bayern, Berlin und Nordrhein-Westfalen. Bei Masern handelt es sich nicht etwa um eine ganz normale Kinderkrankheit, sondern um eine durchaus gefährliche Infektion, die im schlimmsten Fall tödliche enden kann.

Versorgungsatlas

Dabei dürfen hohe Impfraten bei Schulkindern nicht darüber hinwegtäuschen, dass es bei kleineren Kindern erhebliche Impflücken gibt. Der nach Kreisen aufgeschlüsselten Versorgungsatlas des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung zeigt, dass die Impfrate bei Zweijährigen 2010 im Schnitt nur bei 85,8 Prozent lag.

Bei Schulkindern, die ihren Impfstatus bei der Einschulungsuntersuchung vorweisen müssen, liegt die Masern-Impfrate bei der Erst-Impfung bundesweit bei 96,7 Prozent, bei der Zweitimpfung aber nur bei 92,4 Prozent - zu wenig, um die Krankheit als besiegt zu betrachten. Dazu müsste die Rate laut Angeli bei mindestens 95 Prozent liegen. Niedersachsen entsprach ungefähr dem Durchschnitt, in Hessen waren die Werte etwas höher (97,2/93,4).

„Gewisse Nachlässigkeit“

Susanne Glasmacher, Pressesprecherin des Robert-Koch-Instituts in Berlin, das für die Bekämpfung von Infektionskrankheiten zuständig ist, betont, dass es gerade bei Masern wichtig sei, früh zu impfen. Mit der Erstimpfung klappe dies meist, die zweite werde jedoch häufiger vergessen: „Es kehrt eine gewisse Nachlässigkeit ein.“

Geimpft werden sollten Kinder aber auch gegen andere Krankheiten wie Keuchhusten, Mumps und Windpocken, für die es inzwischen auch eine Meldepflicht gibt.

Eine Impfpflicht, wie sie der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann fordert, lehnt man beim RKI indes als kontraproduktiv ab. Denn es gibt auch Eltern, die sich gegen Impfungen wehren, etwa weil sie Impfschäden fürchten. Die Gefahr sei jedoch im Vergleich zu möglichen Folgen der Erkrankungen gering, sagt Glasmacher.

Tatsächlich haben amerikanische Wissenschaftler herausgefunden, dass die Psychologie beim Impfen eine große Rolle spielt. Bei Impfgegnern verstärke sich die Anti-Impf-Haltung noch , wenn man einige ihrer Argumente widerlege.

Die englischsprachige Studie ist zu finden unter http://zu.hna.de/studie1012

HINTERGRUND:

Die Ständige Impfkommission beim Robert-Koch-Institut (RKI) gibt empfiehlt regelmäßig, welche Impfungen Säuglinge, Kleinkinder, Jugendliche und Erwachsene bekommen sollten.

• Auf den Internet-Seiten des RKI gibt es umfangreiche Informationen dazu:

http://zu.hna.de/rki2014

• Der Versorgungsatlas gibt Auskunft über die Impfraten in den Landkresien:

zu.hna.de/versorgung2014

• Das Gesundheitsministerium informiert auf:

www.bmg.bund.de

Auch Erwachsene sind gefährdet 

Die Ständige Impfkommission empfiehlt Personen, die nach 1970 geboren wurden, ihren Masern-Impfschutz zu vervollständigen. Der Grund: Bis 1991 wurde nur einmal geimpft, seitdem werden zwei Impfungen empfohlen, seit 2001 sollte die zweite bis zum zweiten Lebensjahr erfolgen. Vermutungen, dass Masern früher weniger gefährlich waren, seien falsch, so RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher. Weder habe sich etwas an den Viren verändert, noch an dem Impfstoff . Man wisse heute einfach mehr über die Gefahren, die mit der Infektion verbunden sein können.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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