Hessischer Staatssekretär soll Quellen genannt, aber schlecht belegt haben

Plagiatsvorwurf: Regierung wartet im Fall Dippel ab

Verliert seinen Doktortitel: Der hessische Staatssekretär Wolfgang Dippel. Foto: dpa

Kassel/Wiesbaden. Nach der Aberkennung des Doktortitels von Sozial-Staatssekretär Wolfgang Dippel (CDU) wartet die hessische Regierung die Entwicklung ab.

„Derzeit besteht für die Landesregierung keine Veranlassung, personelle Entscheidungen zu treffen, zumal eine schriftliche Begründung der Universität noch aussteht“, sagte Regierungssprecher Michael Bußer gestern in Wiesbaden.

Am Vortag hatte die Universität Kassel Dippel den Doktortitel aberkannt, weil er in seiner Dissertation von 1995 abgeschrieben habe. Der Staatssekretär hatte nach eigenen Angaben als Reaktion auf einen anonymen Hinweis um die Überprüfung seiner Arbeit gebeten, die sich mit Kommunalpolitik am Beispiel der Gemeinde Breuna (Landkreis Kassel) beschäftigt.

Dippel habe den Ministerpräsidenten Volker Bouffier und Sozialminister Stefan Grüttner darüber informiert, sagte Bußer. „Nach eigenen Angaben liegen Herrn Dippel bisher weder ein schriftlicher Bescheid noch eine Begründung vor.“ Der Staatssekretär wolle nach Eingang der schriftlichen Begründung prüfen, ob er rechtliche Schritte einleitet.

Die oppositionelle SPD hatte Bouffier eine Entlassung des Staatssekretärs nahegelegt. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion Günter Rudolph sagte auf Anfrage unserer Zeitung: „Herr Dippel ist politischer Beamter. Jetzt muss sich Herr Bouffier zu dem gravierenden Vorwurf gegen seinen Staatssekretär erklären.“ Die Frage sei, ob Dippel für die Landesregierung noch tragbar sei. „Es geht hier nicht nur um Falschparken, sondern um einen schwerwiegenden Vorwurf.“

Bouffier dürfe nun nicht abtauchen, sondern müsse erklären, ob die Vorwürfe für ihn belanglos seien oder Konsequenzen für Dippel hätten. „Gar nichts sagen geht überhaupt nicht“, sagte Rudolph. Die Grünen im hessischen Landtag wollen sich zu der Plagiatsaffäre nicht äußern, bis eine schriftliche Begründung zur Entscheidung der Universität Kassel vorliegt.

Von der Uni Kassel gibt es zum genauen Vorwurf an Dippel keine Hinweise. Dippels damaliger Professor und Betreuer der Dissertation, Politikwissenschaftler Eike Hennig (72), sagt, Dippel habe mit seinen Quellenangaben unsauber gearbeitet. Zum Teil habe Dippel korrekt zitiert, zum Teil nicht. Das sei Hennig selbst sowie dem zweiten Gutachter bekannt gewesen. „Es lag auch der Hinweis vor, dass die Arbeit vor ihrer Veröffentlichung hätte überarbeitet werden müssen“, sagt Hennig. Das sei nicht geschehen, dafür habe Dippel die schlechtmöglichste Note erhalten.

Dippels Fall sei jedoch über seine Arbeit hinaus interessant: „Zum Begriff des Plagiats gehört üblicherweise, dass man gar nicht auf die Quelle hinweist“, sagt Hennig. Dippel habe jedoch auf die Quelle hingewiesen, jedoch nicht in ausreichendem Maße. (dpa/mli/nis)

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