Internet-Seiten drängen zudem Versicherungen auf

Reiseportale verschleiern Preise für Verbraucher - So schützen Sie sich

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Die wahren Kosten für eine Reise werden erst spät genannt: Wer seinen Urlaub auf Internet-Reiseportalen bucht, erfährt manches Mal erst im letzten Schritt den Endpreis. Das verstößt gegen EU-weite Regeln. Auch andere Rechte werden laut einer EU-weiten Untersuchung missachtet.

Berlin. Wer seinen Urlaub über ein Reiseportal im Internet bucht, muss sofort auf die tatsächlichen Endkosten hingewiesen werden. Viele Flugbuchseiten missachten jedoch diese und weitere Regeln. Das geht aus einer EU-weiten Untersuchung hervor, an der sich nationale Verbraucherschutzbehörden beteiligt hatten.

Demnach wurden 2013 insgesamt 552 Reise-Websites überprüft, von denen sich 382 nicht an die EU-Rechtsvorschriften zum Verbraucherschutz hielten. Das spiegelt sich dann darin wider, dass die tatsächlichen Endkosten erst im Verlauf des Buchungsvorganges ersichtlich werden, weil nach und nach weitere Preise hinzuaddiert werden, zum Beispiel für Gepäckstücke. Einige Portale haben die Kontaktmöglichkeiten oder Hinweise über Beschwerdemöglichkeiten zudem auf ihrer Website versteckt oder gleich weggelassen. 

In Deutschland haben sich sowohl das Bundesamt für Verbraucherschutz als auch die Wettbewerbszentrale und die Verbraucherzentrale (vzbz) an der Untersuchung beteiligt. Sie haben insgesamt 33 Reiseangebote aus dem In- und Ausland überprüft, wegen gravierender Verstöße gegen die Vorschriften wurden im folgenden sechs Verfahren eingeleitet. In zwei Fällen kam es bereits zu einer Einigung, die anderen vier richten sich gegen drei Fluggesellschaften sowie gegen eine Flug-Suchmaschine.

So nötigt zum Beispiel die Fluggesellschaft Condor ihre Gäste in einem Buchungsschritt dazu, sich für oder gegen eine Reiseversicherung zu entscheiden und teilt gleichzeitig mit, dass es ohne den Schutz teuer werden könne. Das ist laut dem Landgericht Frankfurt unzulässig; Condor hat gegen das Urteil Berufung eingelegt. Auch Tuifly lockt laut dem vzbz mit dem Argument, dass ein Krankenrücktransport 18.000 Euro kosten könne, wenn man keine Reiseversicherung abschließe.

Das Verfahren in dieser Sache liegt beim Landgericht Hannover. Welche Websites hingegen überprüft und bemängelt wurden, gab das Bundesamt für Verbraucherschutz aus rechtlichen Gründen nicht bekannt. Einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge wurden jedoch auch Branchenriesen wie Opodo, Expedia und Trivago untersucht.

Die Portale, bei denen von deutscher Seite aus Verstöße festgestellt wurden, stammen laut dem Bundesamt für Verbraucherschutz aus dem Ausland. Den zuständigen ausländischen Behörden wurde das mitgeteilt, da diese für die Abschaffung der Mängel zuständig sind.

Besserung eingetreten

Bisher haben die gute Arbeit geleistet: Seit dem die Regelverstöße bekannt geworden und die jeweiligen Reiseportale informiert worden sind, bieten nun 62 Prozent der überprüften Websites die Informationen an, die die Verbraucher erwarten dürfen. Statt 170 aus 2013 sind es im April dieses Jahres 342.

So können sich Verbraucher schützen

• Probleme bei Anbietern aus Deutschland: Haben Verbraucher Probleme bei der Buchung eines Flug- oder Hotelangebots von einem Anbieter aus Deutschland, können sie sich an die Verbraucherzentrale ihres Wohnortes wenden. Die kann entweder eine Abmahnung an das Portal richten oder den Betroffenen dahingehend beraten, inwiefern ein entstandener Schaden geltend gemacht werden kann. Die Beratung kann aber kostenpflichtig sein.

• Probleme bei Anbietern aus dem europäischen Ausland: Gibt es Probleme mit einem Anbieter aus dem europäischen Ausland, ist das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland (www.eu-verbraucher.de) die Anlaufstelle.

• Generelle Tipps bei der Buchung im Internet: Reiseanbieter werben laut dem Bundesamt für Verbraucherschutz oft mit günstigen Preisen, im Laufe des Buchungsvorgangs kommen dann aber weitere Kosten hinzu. Deshalb sollte genau darauf geachtet werden, ob die Buchungsgebühr und Steuern im Reisepreis enthalten sind. Vor allem bei „Billigfliegern“ können laut dem Bundesamt für Verbraucherschutz für jedes aufgegebene Gepäckstück oder für den Check-in am Flughafen zusätzliche Kosten drohen.

Zudem darf es keine Voreinstellungen geben. Einige Reiseportale halten sich nicht daran und stellen automatisch kostenpflichtige Reiserücktritts- oder Auslandskrankenversicherungen an. Vor Abschluss der Buchung sollte deshalb genau darauf geachtet werden, ob nur die Leistungen berechnet werden, die man auch haben möchte.

Die Verbraucher sollten sich vergewissern, dass der richtige Flughafen angeflogen wird. Einige Fluggesellschaften wählen statt der bekannten lieber kleinere Flughäfen, um bei den Flughafensteuern Geld zu sparen.

Einige Anbieter versuchen, die Preise kurzfristig zu erhöhen. Das ist aber nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. So können die Preise bis maximal 20 Tage vor der Abreise erhöht werden, wenn zum Beispiel vertraglich eine Erhöhung aufgrund von gestiegenen Treibstoffkosten vereinbart wurde.

Von Constanze Wüstefeld

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