Hinten anstellen, ruhig bleiben

Am Wochenende drohen erneut viele Staus - Was Reisende beachten müssen

Kassel. In sechs Bundesländern enden die Sommerferien bald, in den anderen beginnt die nächste Halbzeit - die zweite Reisewelle des Sommers rollt an diesem Wochenende durch Deutschland. Staus sind programmiert. Was Autofahrer beim Stillstand tun sollten, erläutert ADAC-Experte Andreas Hölzel.

Stundenlange Staus sind Autofahrer auf der A 7 zwischen Northeim und Bad Hersfeld leidvoll gewohnt: Auf der Autobahn vergeht keine Woche ohne mindestens eine dieser Geduldproben. Jetzt steht die zweite große Reisewelle des Sommers bevor. Was Urlaubsreisende und andere Fahrer im Stau wissen sollten:

Sehen Sie hier eine Karte mit der Stauprognose des ADAC für den 15. bis 17. August.

• Immer mehr, immer länger: Den Zahlen nach gibt es immer mehr Staus auf den deutschen Autobahnen. Für das Jahr 2013 registrierte der ADAC auf den Schnellstraßen 415.000 Staus mit einer Gesamtlänge von 830.000 Kilometern. Im Jahr 2012 waren es nur rund 600.000 Kilometer. Grund für die Zunahme: „Die Verkehrslage wird viel genauer erfasst“, sagt ADAC-Verkehrsexperte Andreas Hölzel.

• Die Ursachen: Staus werden ausgelöst durch Unfälle und hohes Verkehrsaufkommen. Hinzu kommen Engstellen wie Baustellen. „Wenn sich alle gleichzeitig auf die Straße begeben und dann vor Baustellen alle abbremsen müssen - allein das sorgt für einen langen Stau“, sagt Hölzel.

• Abfahren oder bleiben? Verkehrsexperte Hölzel rät, im Stau zu bleiben. „Wenn Tausende abfahren, treffen sie sich auf den Nebenstrecken. Dann ist dort Stau“, sagt er. Wenn ein Fahrer die Zeit nutzen wolle, um eine Pause einzulegen, sei es aber sinnvoll, abzufahren und sich einen Rastplatz zu suchen.

Andreas Hölzel

• Was Navi und Polizei raten: Bei einem Stau sollten Fahrer nicht unbedingt den Umfahrungsempfehlungen ihres Navigationsgeräts folgen. „Diese Infos bekommen alle anderen auch“, sagt Hölzel. Aber: Wenn die Polizei bei Vollsperrungen beschließt, Umleitungsempfehlungen auszusprechen, sollten Fahrer diese befolgen.

• Spurwechseln im Stau:  „Bringt nichts“, sagt Verkehrsexperte Hölzel. Wer beim Stillstand versucht, durch Spurwechsel schneller voranzukommen, gewinne vielleicht „eine Minute, aber nur vom Gefühl her“, sagt Hölzel. „Das wichtigste ist, dass man gelassen bleibt und sich nicht stressen lässt.“

• Der kritische Samstag:  Der günstigste Tag für die Fahrt in den Urlaub ist laut ADAC der Mittwoch, der schlechteste Tag ist Samstag. Wer an diesem Wochenende fahren muss, sollte Freitagfrüh starten, Samstag gegen 4 Uhr oder am späten Nachmittag. Sonntag rollt der Rückreiseverkehr, der am Montag anhält.

• Mit dem Motorrad im Stau: Rein juristisch gilt für Motorradfahrer im Stau dasselbe wie für Autofahrer: Sie müssen anhalten und bei ihren Fahrzeugen bleiben. Praktisch schlängeln sich Motorradfahrer aber in Staus an den Autoschlangen vorbei. „Da ist jeder aufgerufen, extrem vorsichtig zu sein“, sagt Hölzel.

• Einfach mal aussteigen:  Das ist dem Gesetz nach ebenso verboten wie der Gang hinter die Büsche. Aber: „Wenn stundenlang im Stau die Sonne aufs Dach knallt, ist es nur natürlich, wenn man mal aussteigt oder zur Toilette muss. Es wird in der Praxis geduldet, sollte aber die Ausnahme sein“, sagt Hölzel und erinnert an die gebotene Vorsicht.

Hintergrund: So erkennt ein Navi einen Stau

Der Klassiker, um über Staus auf dem Laufenden zu sein: Radio einschalten, Verkehrsnachrichten hören. In seiner digitalen Form heißt dieser Funk TMC.

Aber auch mobile oder feste Navigationssysteme oder Verkehrsapps informieren über Stillstand auf den Straßen, und zwar teilweise schneller und präziser als der Hörfunk. Das liegt an der Technik, die Navigationssystemhersteller wie zum Beispiel Tom Tom nutzen: Die Echtzeit-Informationen über die Verkehrslage liefern die Nutzer der Navigationssysteme selbst. Navi-Modelle, die mit SIM-Karten oder Bluetooth-Verbindung arbeiten, empfangen nicht nur Signale, sie senden auch welche, sagt Tom Tom-Sprecher Thomas Henkel. Anonymisiert geben diese Geräte Standort und Geschwindigkeit weiter.

„Crowdsourcing“ heißt das Prinzip, das auch Google Maps für seine Verkehrslage-Infos nutzt, indem es Informationen von Android-Handys bezieht. TMC liefert Daten für Autobahnen und Bundesstraßen, Crowdsourcing erfasst auch kleine Nebenstraßen oder innerstädtische Verbindungen.

Von Tatjana Coerschulte

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.