Bausaison auf Hessens Straßen: Rekordinvestition und hunderte Staus

Wiesbaden. Ins hessische Straßennetz wollen Bund und Land in diesem Jahr rund 700 Millionen Euro investieren. Nach Regierungsangaben eine Rekordinvestition, für die es zudem höchste Zeit ist. Vor allem in Nordhessen.

„Zahlreiche Abschnitte von Autobahnen und Bundesstraßen weisen inzwischen starke Schäden auf“, sagte Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) am Donnerstag in Wiesbaden.

Artikel aktualisiert um 15 Uhr.

Sorgenkinder in Hessen sind die Brücken: Viele seien nur noch eingeschränkt zu nutzen, weil sie für die heutige Last durch Schwertransporte und das enorm hohe Verkehrsaufkommen einst nicht konzipiert worden seien, sagte Hessen Mobil-Präsident Burkhard Vieth. Außerdem sei in den 70er Jahren aus Kostengründen der Spannbeton eher sparsam genutzt worden. „Wir haben im wahrsten Sinne des Wortes ein flächendeckendes Problem“, sagte Vieth.

Der Bund steuert dieses Jahr 545 Millionen Euro bei, etwa jeder zweite Euro davon wird für den Erhalt gezahlt. Das Programm für die Landesstraßen hat nach Angaben von Posch einen Umfang von 115 Millionen Euro. Bis zu 40 Millionen Euro seien zudem für die Kreisstraßen geplant. Im vergangenen Jahr lag die gesamte Investition noch bei 636 Millionen Euro. Posch warnte bereits vor Baustellen und bat die Autofahrer um Geduld: „Das ist wie beim Zahnarzt: Niemand liebt die Behandlung, aber wenn sie vorbei ist, fühlt man sich umso besser.“

Nicht zufrieden mit der Rechnung aus dem Wirtschaftsministerium sind die hessischen Unternehmer: Sie fordern mehr Geld für die Landesstraßen. „Im nächsten Jahr fallen 50 Millionen Euro Konjunkturmittel des Bundes weg, die im laufenden Jahr noch im Landesstraßenbauetat enthalten sind“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände, Volker Fasbender. Damit im kommenden Jahr wieder 100 Millionen Euro investiert werden könnten, müssten die Landesmittel im Haushalt 2013 angehoben werden. Der Wert der Landesstraßen dürfe nicht von Jahr zu Jahr sinken.

Auch die Grünen übten Kritik, sie nahmen die hohen Investitionen in den Neubau ins Visier: „Dies ist bei gleichzeitiger Geldkürzung bei Bussen und Bahnen für uns ein Unding“, sagte die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Karin Müller. Dreistellige Millionenbeträge flössen in Straßenneubauprojekte, überfällige Schienenprojekte würden dagegen vernachlässigt. Dies gelte im Rhein-Main-Gebiet ebenso wie für die nordmainische S-Bahn, die Regionaltangente West als auch für die Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim.

Nach Angaben des Straßen- und Verkehrsmanagements Hessen Mobil stehen für das laufende Jahr rund 850 Bauprojekte auf dem Programm, darunter der Lückenschluss der A66 bei Fulda und der Riederwaldtunnel bei Frankfurt. Derzeit gehören die Planung und der Bau der Autobahnen A44 (von Kassel nach Herleshausen), A45 (zwischen Haiger/Burbach und dem Gambacher Kreuz) und A49 zwischen Kassel und Gießen sowie das Verkehrsprojekt Staufreies Hessen 2015 zu den Großprojekten im Land. Am stärksten werden die Bagger in den Kreisen Fulda, Werra-Meißner, Hersfeld-Rotenburg und Lahn-Dill unterwegs sein. Weniger gebaut werden soll dagegen in Großstädten.

Posch lobte den Bund zwar für die Investitionen, er kritisierte aber die fehlenden Bundesmittel für neue Bauarbeiten in Hessen. Der Bund dürfe neben seinen Investitionen in den Erhalt der Straßen nicht den Aus- und Neubau vernachlässigen, sagte der FDP-Minister.

Projekte wie die Ortsumgehungen Calden (B7), Vöhl/Dorfitter (B252) und Meinhard/Frieda (B249) seien ebenso baureif und geplant wie der vierspurige Ausbau der Südumgehung Bürstadt (B47): „Das Land hat seine Hausaufgaben gemacht, jetzt muss der Bund für die Finanzierung sorgen“, mahnte Posch. Viel Hoffnung macht er sich aber nicht: „Wir haben bei Projekten wie Ortsumgehungen derzeit kaum eine Perspektive.“

Hessen Mobil plant, baut und unterhält für das Land das hessische Straßennetz außerhalb der Ortschaften - von der Kreisstraße bis zur Bundesautobahn. Die Landesbehörde mit ihren 3600 Mitarbeitern ist somit verantwortlich für insgesamt rund 17 000 Kilometer Straßennetz. (dpa)

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