Umweltministerin Hendricks im maroden Atommüllbergwerk Asse – Prognose: Räumung nicht vor 2033

Rennen gegen Wasser und Zeit

Wolfram König

asse. Helm auf und ab in die Tiefe - Sigmar Gabriel war 2009 hier, Peter Altmaier 2012, gestern dann Barbara Hendricks: Das einsturzbedrohte Atommüll-Bergwerk Asse 2 bei Wolfenbüttel gilt als eines der größten und teuersten Umweltprobleme Deutschlands. Für Umweltminister ist der Besuch ein Muss.

Zwischen 500 und 750 Meter tief liegen dort 126 000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Müll der frühen deutschen Kernkraft-Jahre und weitere Strahlen- oder Giftabfälle. Umsonst oder billig entsorgt, vorrangig von AKW-Betreibern, teils mit Umweg über das Kernforschungszentrum Karlsruhe. Räumung der Asse so „schnell wie möglich“, aber auch „so sicher wie möglich“, sagte die SPD-Ministerin gestern vor Ort. Bevor der Atommüll aus dem Berg könne, müssten ein Zwischenlager und ein weiterer Schacht gebaut werden.

Einst 50 AKW geplant

Die Bundesrepublik, die damals 50 Atommeiler plante, hatte die alte Salzgrube 1965 für umgerechnet 300 000 Euro der Kasseler Wintershall AG abgekauft. Ein gefährliches Schnäppchen: Warnungen gab es immer, aber erst spät wurde das Eindringen von Wasser ins Bergwerk zugegeben. 12 000 Liter täglich sind es aktuell - irgendwann könnte die Grube volllaufen, Gift und Strahlung aus längst verrosteten oder zerquetschten Fässern nach oben ins Grundwasser pressen.

Hendricks hat eine Aufgabe geerbt, deren Bewältigung sie als Ministerin nicht mehr erleben wird. Vor 2033 werde es wohl nichts, räumte sie gestern ein. Zuvor hatten teils erzürnte Demonstranten mehr Tempo gefordert. Die Rückholung ist politischer Konsens - falls machbar. Das Milliardenprojekt wäre weltweit ohne Beispiel.

Seit gut anderthalb Jahren wird aus verschiedenen Winkeln unter scharfen Sicherheitsauflagen eine der Einlagerungskammern angebohrt. Man will so erkunden, was von tausenden übereinandergestapelten oder gekippten Fässern übrig ist, die hier bis 1978 angekarrt wurden. Den Startknopf für den Bohrer drückte 2012 noch Hendricks’ Amtsvorgänger Peter Altmaier.

Sylvia Kotting-Uhl, Atomexpertin der Grünen im Bundestag, forderte unterdessen, die milliardenschweren Rückstellungen der AKW-Betreiber endlich insolvenzfest in einen öffentlich-rechtlichen Fonds zu überführen.

„Die Asse gilt als Sinnbild des Scheiterns der Endlagerung“, sagt der Präsident des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, der 2009 das Kommando in der Asse übernahm. In Nordhessen machte den Diplom-Ingenieur eine andere Altlast bekannt: Mit Ulrich Schneider schrieb er an der Gesamthochschule Kassel die Diplomarbeit „Sprengstoff aus Hirschhagen“ über den inzwischen sanierten Nazi-Rüstungsstandort bei Hess. Lichtenau.

Von Wolfgang Riek

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