Kommentar: Die Rente steigt, aber nur soviel, wie es der Politik passt

Die 20 Millionen Rentner sollen mit ihren Altersbezügen an der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland teilhaben. In guten wie in schlechten Zeiten. Das ist das Prinzip der gesetzlichen Rentenversicherung. Wer sich die aktuellen Vorhersagen der Behörde anschaut, dem können allerdings massive Zweifel daran kommen. Ein Kommentar von unserem Berliner Korrespondenten Stefan Vetter.

Im nächsten Jahr soll es demnach nur eine magere Rentenerhöhung zwischen ein und zwei Prozent geben. Und das, obwohl die für ihre Berechnung maßgeblichen Löhne deutlich stärker steigen. Wie passt das zusammen?

Die Rentenversicherung führt statistische Änderungen bei der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ins Feld. Das mag streng nach Recht und Gesetz sein. Paradoxerweise verstärkt sich dadurch aber nur der Eindruck von Willkür und Beliebigkeit.

Zu Jahresbeginn hatte die Bundesregierung auf die gesetzlich fällige Beitragssenkung verzichtet, weil ihre Rentengeschenke, also die Mütterrente sowie die abschlagsfreie Rente mit 63 sonst nicht zu finanzieren gewesen wären. Für viele sicher eine gute Sache. Doch auch so mancher Ruheständler dürfte darüber jetzt womöglich anders denken, wenn er erfährt, dass jene Geschenke seinen Rentenanstieg im kommenden Jahr wegen der komplizierten Rentenberechnung schmälern. Konkret um 0,8 Prozent.

Nimmt man noch den negativen Einmaleffekt aus der statistischen Umstellung hinzu, sind es sogar insgesamt 1,9 Prozent. Unter dem Strich wird den Rentnern also rund die Hälfte der eigentlich angezeigten Rentenerhöhung vorenthalten. Bei 1000 Euro Rente sind das monatlich 19 Euro.

Zieht man noch den bereits beschlossenen Anstieg des Pflegebeitrags ab Januar in Betracht, den Rentner komplett allein tragen, bleibt von dem dürftigen Rentenplus noch weniger übrig.

Bei früheren Gelegenheiten solcher Art hat die Regierung übrigens zugunsten der Ruheständler interveniert und die Rentenformel entsprechend manipuliert. Jetzt hält sie still. Weil die nächste Bundestagswahl noch weit entfernt ist und man dann womöglich erst mit spürbaren Rentenzuwächsen glänzen will? Ein Schelm, wer da an politisches Kalkül denkt.

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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