Die Renten steigen im Jahr 2015 - allerdings nur gering

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Rentenerhöhung fällt 2015 niedriger aus: Senioren sollen zwar mehr bekommen, aber weniger als ursprünglich erwartet. Unser Symbolbild entstand in Langenargen in Baden-Württemberg.

Nach neuen Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit müssen sich die Senioren 2015 mit einem nur kleinen Plus zufrieden geben. Die gut 20 Millionen Rentner in Deutschland bekommten zwar noch einen Zuschlag, aber der fällt deutlich geringer aus, als ursprünglich von der Regierung prognostiziert.

Der Grund sind Korrekturen in der Beschäftigungsstatistik – eine Vorgabe der Europäischen Kommission.

Zum 30. Juni 2013 wurden in die Statistik der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auch die knapp 300.000 behinderten Menschen aufgenommen, die in betreuten Werkstätten arbeiten. Hinzu kommen weitere 30.000 Personen, die in Einrichtungen der Jugendhilfe oder in Berufsbildungswerken arbeiten. Aufgenommen wurden auch 80.000 überwiegend junge Leute, die ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst leisten.

Bei diesen Personengruppen handelt es sich überwiegend um Beschäftigte aus dem so genannten Niedriglohnsektor – und das schlägt sich negativ in der Rentenanpassung 2015 nieder. „Wie stark steht noch nicht fest“, sagt Dirk von der Heide, Sprecher der Deutschen Rentenversicherung in Berlin. Die Daten werden im März veröffentlicht. Im Rentenversicherungsbericht aus dem Jahr 2012 wurde für 2015 eine Rentenanpassung von 3,76 Prozent prognostiziert. Aktuelle Zahlen gibt es erst im November.

Nach Angaben von Rentenexperten soll der Aufschlag bei den Renten im nächsten Jahr um einen Prozentpunkt niedriger ausfallen, schreibt die Süddeutsche Zeitung. † Ein Beispiel: Bekommt ein Rentner 1000 Euro brutto im Monat und würde die Prognose von 3,76 Prozent eintreten – davon geht aber niemand aus –, bliebe ein Aufschlag von 2,76 Prozent übrig. Statt 37,60 Euro gäbe es nur 27,60 Euro pro Monat.

Der Grund für das geringere Plus ist die jährliche Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung. Die Summe der Löhne und Gehälter wird ins Verhältnis zu den Rentnern gesetzt und daraus der Rentenwert ermittelt, mit dem die Lebensleistung multipliziert wird (siehe unten: Rentenformel). Kommen in einem Jahr viele Beschäftigte aus dem Niedriglohnsektor dazu, müssen vereinfacht gesagt, die Einnahmen auf mehr künftige Rentner verteilt werden – der Rentenwert sinkt.

2016 würde das Plus höher ausfallen, denn die Geringverdiener, die 2014 neu in der Statistik auftauchten, zahlen ein, was dem Rentenwert zugute kommt. Deshalb dürften, so die Experten in der Süddeutschen-Zeitung, die Senioren in zwei Jahren weder besser noch schlechter dastehen.

Doch noch etwas drückt auf die Kassenlage der Rentenversicherung: Der Beitragssatz, den sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen, soll von 18,9 auf 18,3 Prozent gesenkt werden. Im November wird das Arbeitsministerium den Satz festlegen. Laut Gesetz muss der Beitrag gesenkt werden, wenn die Rücklagen in der Rentenkasse 1,5 Monatsausgaben überschreiten. Dies hätte bereits zum Jahresbeginn geschehen müssen, wurde aber aufgrund der Kosten für die Mütterrente und die Rente mit 63 verschoben.

Von Martina Hummel

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