Rentnern entgehen durch Dämpfungsfaktoren Tausende Euro

+
Die Rentenanpassungen sind seit 2003 rund 4,4 Prozentpunkte hinter der Lohnentwicklung zurückgeblieben. Foto: Jens Kalaene

Die Renten folgen zwar den Löhnen, aber nicht ganz - dafür sorgen vor Jahren eingeführte Dämpfungsfaktoren. Ins Budget der Rentner werden im Vergleich zu einer Rente ohne Dämpfung spürbare Löcher gerissen.

Berlin (dpa) - Vielen Rentnern entgehen durch die Faktoren, die die Rentenerhöhungen dämpfen, Beträge in vierstelliger Größenordnung pro Jahr. Das geht aus einer Aufstellung der Fraktion der Linken auf Basis einer Antwort der Bundesregierung hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Der Linken-Rentenexperte Matthias W. Birkwald hatte nach den Auswirkungen des Nachhaltigkeits- und des Riesterfaktors gefragt. Diese Veränderungen der Rentenformel zur Berechnung der Bezüge wurden 2003 beziehungsweise 2005 eingeführt. So werden Rentenerhöhungen etwa gedämpft, wenn die Zahl der Rentner stärker als die Zahl der Beitragszahler steigt.

Diese Kürzungsfaktoren bewirken den neuen Angaben zufolge, dass die Rentenanpassungen seit 2003 insgesamt rund 4,4 Prozentpunkte hinter der für die Rentenerhöhungen ansonsten maßgeblichen Lohnentwicklung zurückgeblieben sind. Zwischen 2016 und 2029 sollen es noch einmal fast acht Prozentpunkte sein.

Birkwald sagte der dpa, würden die Rentenkürzungen bis zum Jahr 2015 rückgängig gemacht, hätten Rentner, die 45 Jahre zum Durchschnittsverdienst gearbeitet hätten, rund 722 Euro mehr Rente im Jahr. Im Jahr 2029 wären es sogar 2939 Euro mehr Rente jährlich. "Dann würde die Rente wieder den Lebensstandard sichern."

An diesem Freitag ist das Rentenniveau auch Thema im Bundestag. Diskutiert wird ein Antrag der Linken, in dem sie eine Anhebung des Sicherungsniveaus fordern, also des Verhältnis der Rentenhöhe eines Standardrentners gegenüber dem Durchschnittsverdienst.

"Während langjährige Beitragszahlungen schon jetzt kaum noch für auskömmliche Renten sorgen, leiden die heutigen Rentnerinnen und Rentner schon jetzt an dem steigenden Wertverlust ihrer Renten", sagte Birkwald. Der Abgeordnete warnte vor einer "Legitimationskrise" der Rentenversicherung.

Das Rentenniveau sinkt laut aktuellem Rentenversicherungsbericht von rund 48 Prozent 2014 voraussichtlich auf knapp 45 Prozent im Jahr 2029 ab. Laut politischer Festlegung soll es bis 2030 nicht unter 43 Prozent fallen. Birkwald forderte eine Rücknahme der Dämpfungsfaktoren - die Renten sollten wieder eins zu eins den Löhnen folgen. Das Sicherungsniveau solle wieder auf 53 Prozent steigen.

Studienergebnisse Prognos

Aktuelle Angaben zur Finanzentwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung

Zum Rentenversicherungsbericht 2015

Antrag der Linken

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.