FDP-Minister will Grenzwert flexibilisieren

Rentsch reizt Windmüller: Streit über 1000-Meter-Mindestabstand

Florian Rentsch

Wiesbaden. „Der Mindestabstand für Windkraftanlagen zu Siedlungen muss 1000 Meter betragen. Damit verhindern wir ein Heranrücken an heimische Gärten und Wohnzimmer“ - so steht’s im Wahlprogramm der Hessen-FDP.

Auch der Landtag hat die 1000-Meter-Marke vor den Sommerferien im Landesentwicklungsplan beschlossen.

Nur ein paar Wochen später denkt FDP-Wirtschaftsminister Florian Rentsch allerdings laut über mehr nach. Wenn immer höhere Windräder vor Ort als Bedrohung wahrgenommen würden, sollte eine verantwortungsvolle Politik reagieren, sagte Rentsch in Wiesbaden nach Übergabe einer Petition von Windkraftkritikern: „Das bedeutet, dass wir die Abstandsflächen zur Wohnbebauung flexibilisieren und nach der Höhe der Windräder ausrichten sollen.“

Die südhessische BI „Rettet den Taunuskamm“ glaubt schon zu wissen, was das in Metern heißt: „Die FDP tritt für einen Mindestabstand vom Zehnfachen der Anlagenhöhe ein“, meldet die Internetseite der BI. Also: 1,5 Kilometer für 150-Meter-Türme, zwei Kilometer für 200-Meter-Anlagen.

Einfach selbst den Landesentwicklungsplan ändern kann Rentsch natürlich nicht. SPD, Grüne, Linke und Planer der Windbranche werfen dem Minister auch deshalb puren Wahlkampf vor.

Aus dem Haus von CDU-Umweltministerin Lucia Puttrich hieß es gestern nur, die Landesregierung stehe zu den klaren Vorgaben des Landesentwicklungsplans. Mit ihrem FDP-Kollegen liegt Puttrich in Sachen Energiewende immer mal wieder über Kreuz: Mitte Juli hatte die Umweltministerin gewarnt, ein befristeter Ausbaustopp für Solar- und Windenergie helfe dem Verbraucher nicht. Diesen Stopp hatte Rentsch zuvor in der Strompreisdebatte gefordert.

Auch über die Zukunft des Eon-Steinkohlekraftwerks Staudinger nahe Hanau lagen sich die CDU-Frau und der FDP-Mann lang in den Haaren.

Für Nordhessen soll es in Sachen Windkraft bei der 1000-Meter-Mindestabstandsmarke bleiben. Das hat der Arbeitskreis Energie in der Regionalversammlung gerade erst bekräftigt. Würde man um jedes Windrad einen Zwei-Kilometer-Abstandskreis schlagen, bliebe von dem, was an Landesfläche der Windstromerzeugung dienen soll, weniger als die Hälfte. Statt der angezielten zwei Prozent nicht mal ein Prozent, heißt es aus dem Regierungspräsidium Kassel.

Ausnahmen verbaut das nicht: An den hoch windträchtigen Standorten im Reinhardswald und im Raum Hünfeld wird in Einzelfällen an Siedlungsabstände von mehr als 1000 Metern gedacht. So könnten Räder von Hangkanten weg und damit aus dem Blickfeld der Anlieger rücken.

Hessen unter ferner liefen

• 705 Windkraftanlagen mit einer Leistung von 802 Megawatt (MW) drehten sich Ende 2012 in Hessen. Damit lag das Land nur auf Platz 10 unter den Bundesländern.

• Top-Windenergie-Land ist Niedersachsen mit 5477 Anlagen/ 7333 MW. Quelle: BWE

Von Wolfgang Riek

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