Staatskanzleichef Axel Wintermeyer wird als neuer Innenminister gehandelt

Rhein-Nachfolger gesucht

Boris Rhein

Wiesbaden. Seine Karriere als Boxer beendeten noch die besorgten Eltern, die als Basketballer ist auch lange vorbei. Doch als Volker Bouffier (CDU) gestern auf einer Hessenfahrt die abstiegsbedrohten Gießen 46ers in seiner Heimatstadt besucht, juckt es ihn in den Fingern. Den Gegner austricksen und die Geduld haben, auf den richtigen Moment zu warten, das sei entscheidend, erklärt der Regierungschef - wie in der Politik.

Über den richtigen Moment wird sich Volker Bouffier auch Gedanken machen müssen, wenn sein Innenminister Boris Rhein (CDU) am Sonntag die Oberbürgermeisterwahl in Frankfurt gewinnen sollte und eine Nachfolgeregelung gefragt ist. Denn bis Rhein das Kabinett verlassen würde, gingen noch einige Monate ins Land - Amtsinhaberin Petra Roth geht erst Anfang Juli.

Solange werde er jedenfalls nicht warten, flachst Bouffier auf der Weiterfahrt nach Wetzlar, wo der sportbegeisterte Ministerpräsident Turnstar Fabian Hambüchen und die erfolgsverwöhnten Rollstuhlbasketballer des RSV Lahn-Dill besucht.

Ein Selbstläufer ist die Stichwahl am Sonntag ohnehin nicht. In der CDU setzt man zwar auf Sieg, das tendenziell linke Lager in Frankfurt wird aber keineswegs unterschätzt. Im ersten Wahlgang hatte der SPD-Bewerber Peter Feldmann mit 33 Prozent nur sechs Prozentpunkte hinter Rhein gelegen. Vorzeitig Minister-Kandidaten zu verbrennen, kann also schon gar nicht im Sinne Bouffiers sein. Er selbst habe natürlich „eine Vorstellung“ von Rheins Nachfolge. Dass er eineinhalb Jahre vor der Landtagwahl noch einmal das ganz große Personalkarussell dreht und für frischen Wind sorgt, ist nicht zu erwarten; auch wenn manch Jüngere in der Union sich das wünschten.

Da an der Spitze des Innenressorts ein Jurist stehen soll, wird am häufigsten der Chef der Staatskanzlei, Axel Wintermeyer (52), genannt. Seinen derzeitigen Job, die Koordination der Regierungspolitik, macht er gut. Sie verschafft ihm zwar kaum Öffentlichkeit, ist aber von enormer Bedeutung für den Chef - was auch gegen einen Wechsel sprechen könnte. Mancher kann sich den Schöngeist Wintermeyer - er malt und spielt leidenschaftlich gerne Klavier und Orgel - auch nicht so recht vorstellen im Umfeld von Polizei, Feuerwehr und Katastrophenschutz.

Unschöne Schlagzeilen

Eine Frau als Innenministerin wäre wenigstens ein kleiner Coup. Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann käme infrage. Sie hat aber bei den Skandalen an der Privatuni EBS und Querelen an den Unikliniken in Bouffiers mittelhessischer Heimat wenig souverän agiert.

Der Sport ist übrigens auch im Innenministerium angesiedelt. Das müsste weder Wintermeyer noch Kühne-Hörmann sorgen, falls sie mit Sport weniger am Hut hätten. Im Zweifel, das wollte der Regierungschef gestern wohl zeigen, kümmert er sich gern.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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