Abschlussbericht nach Giftmord

Richter: Putin billigte wohl Litwinenkos Ermordung

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Alexander Litwinenko (rechts) bei einer Pressekonferenz der Nachrichtenagentur "Interfax" im November 1998.

London/ Moskau - Einem Untersuchungsbericht aus London zufolge soll Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko wahrscheinlich mit Zustimmung des russischen Präsidenten ermordet worden sein. Moskau weist die Anschuldigungen als "absurd" zurück.

Der britische Premierminister David Cameron sieht in der Ermordung des früheren russischen Agenten Alexander Litvinenko ein "vom Staat unterstütztes" Verbrechen. Cameron äußerte sich am Donnerstag nach der Veröffentlichung des britischen Untersuchungsberichtes, wonach der russische Präsident Wladimir Putin die Ermordung Litvinenkos vor zehn Jahren in London billigte.

Den Giftmord des früheren russischen Agenten vor zehn Jahren in London habe wahrscheinlich der russische Geheimdienst FSB in Auftrag gegeben, schrieb Richter Robert Owen, der die Untersuchung des Falls in London leitete, in seinem am Donnerstag veröffentlichen Abschlussbericht.

Die Tat sei „wahrscheinlich gutgeheißen worden“ vom damaligen FSB-Chef Nikolai Patruschew „und auch von Präsident Putin“. Die gerichtliche Untersuchung ist nicht mit einem Prozess gleichzusetzen und hat keine direkten strafrechtliche Konsequenzen.

Die britische Regierung hat den Untersuchungsbericht über die "wahrscheinliche" Verwicklung des russischen Präsidenten Wladimir Putin in die Ermordung des früheren russischen Agenten Alexander Litvinenko vor zehn Jahren als "extrem verstörend" bezeichnet. Ein solches Verhalten "könne kein Staat und schon gar kein Mitglied des UN-Sicherheitsrats an den Tag legen", sagte am Donnerstag eine Sprecherin von Premierminister David Cameron.

Die britische Regierung bestellte nach der Veröffentlichung des Berichts den russischen Botschafter ein. Darüber hinaus teilte Innenministerin Theresa May mit, Guthaben des nationalistischen russischen Abgeordneten Andrej Lugowoi und des Geschäftsmanns Dmitri Kowtun würden "eingefroren". Lugowoi und Kowtun werden in dem Untersuchungsbericht als die beiden Täter genannt, die die Vergiftung Litvinenkos mit hochradioaktivem Polonium herbeiführten. Auslieferungsersuchen der britischen Behörden für Lugowoi und Kowtun wurden bisher von den russischen Behörden abgewiesen.

Russischer Abgeordneter weist Anschuldigen als "absurd" zurück

Erste Reaktionen aus Russland kamen prompt: 

Der russische Abgeordnete Andrej Lugowoi wies die Anschuldigungen aus Großbritannien als „absurd“ zurück. „Erwartungsgemäß gab es keine Sensation. Die Ergebnisse (des Richters Robert Owen) bestätigen die antirussische Position Londons sowie die Engstirnigkeit und Unlust der Engländer, den wahren Grund für den Tod von Litwinenko festzustellen“, sagte er der Agentur Interfax zufolge.

Ein russischer Justizsprecher nannte die am Donnerstag in London veröffentlichten Untersuchungsergebnisse „politisch motiviert“. Moskau werde auf einer solchen Grundlage kein Verfahren gegen Lugowoi und den ebenfalls beschuldigten Dmitri Kowtun eröffnen, sagte der namentlich nicht genannte Mitarbeiter.

Beziehungen zwischen London und Moskau gelten als angespannt

Zudem untersage es die russische Verfassung, russische Staatsbürger für einen möglichen Prozess im Ausland auszuliefern, bekräftigte er. Lugowoi genießt überdies als Abgeordneter der Staatsduma Immunität.

Ein ranghoher Diplomat in Moskau sagte, Russland werde einen offiziellen Kommentar nach Prüfung des Untersuchungsberichts abgeben. Schon jetzt sei aber klar, dass die Ergebnisse „nicht ohne Auswirkungen“ auf das bilaterale Verhältnis bleiben würden. Die Beziehungen zwischen London und Moskau gelten als angespannt. Weil der Bericht diplomatisch heikel ist, wollte die britische Regierung verhindern, dass der Fall öffentlich wieder aufgerollt wird, doch Litwinenkos Witwe Marina setzte sich vor Gericht durch.

Litwinenko, ein früherer russischer Agent, war im November 2006 mit 43 Jahren in London an einer Vergiftung mit radioaktivem Polonium 210 gestorben. Er gehörte zu den schärfsten Kritikern der russischen Regierung. Kurz vor seinem Tod beschuldigte er Präsident Wladimir Putin, den Mord in Auftrag gegeben zu haben.

afp, dpa

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