„Risiko Landstraße“: Unfälle passieren vor allem auf kleinen Straßen

Spangenberg. Der Traktor ist zu langsam, das nervt. Also wird überholt. Blinker an, aufs Gaspedal treten - und die Kontrolle verlieren. Immer wieder wird das Risiko auf Landstraßen unterschätzt. Kurven sind schlecht zu sehen, Leitplanken fehlen. Experten schlagen Alarm.

Wo passieren mehr Unfälle? Auf der Autobahn oder auf der Landstraße? Geben Sie es zu: Die meisten würden spontan auf die Autobahn tippen, weil dort so schnell gefahren wird. Allerdings ist es für Autofahrer in Hessen auf kleineren Straßen viel gefährlicher: Allein im vergangenen Jahr kamen 187 Menschen auf Kreis-, Bund- und Landstraßen in Hessen ums leben, das sind fast fünfmal mehr als auf den Autobahnen im Land und mehr als doppelt so viele wie im Stadtverkehr. Das größte Risiko neben Fahrfehlern ist das Überholen, warnen ADAC und Verkehrsministerium.

Gefahren lauern auf der Landstraße überall: „Fehlende Leitplanken, durch Bäume verdeckte Kurven, schlechte Straßenbeläge“, zählt Jürgen Baer vom ADAC Hessen-Thüringen auf. Besonders gefährlich ist nach Ansicht seines Verkehrsclubs das Überholen. Der Grund: Vor allem auf Landstraßen ist Gegenverkehr schneller unterwegs als man annimmt.

Tests des ADAC haben außerdem gezeigt: Überholen auf Landstraßen lohnt sich gar nicht. Denn wer auf einer Pendlerstrecke von bis zu 20 Kilometer auf die Tube drückt, der spart nur eine Minute Fahrzeit und ist am Ziel erschöpfter als die Nichtraser. Deshalb rät der Verkehrsclub: Wer sicher überholen will, muss dafür Fahrweg und freien Platz von mehr als einem halben Kilometer einplanen.

Eine weitere Besonderheit der Landstraße sind Traktoren und andere schwere Fahrzeuge aus der Landwirtschaft. „Sehen Sie den Traktor?“, lautet deswegen der Slogan einer neuen Kampagne unter anderem des Verkehrsministeriums und des ADAC, die am Dienstag in Spangenberg vorgestellt wurde. Große Plakate mit diesem Slogan sollen Autofahrer auf das Risiko zum Beispiel durch langsam fahrende Traktoren aufmerksam machen. Die Plakate sind künftig an 150 Orten in ganz Hessen zu sehen.

Unfälle mit Traktoren seien selten, räumt Bernd Weber ein, der Sprecher des hessischen Bauernverbands. Aber: „Wenn es Unfälle mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen gibt, dann entstehen zumeist schwere Schäden, weil die Maschinen so massiv sind.“ Rast etwa ein Motorradfahrer in einen Traktor, seien Verletzungen oder noch schlimmere Folgen programmiert, warnt Weber.

Auch seine eigenen Kollegen will Weber für das Thema sensibilisieren. „Wir setzen alles daran, die Landwirte über die Gefahren zu informieren und solche Unfälle zu vermeiden.“ Daran beteiligt sich auch die Polizei, die die Bauern mit Vorträgen informiert.

Unfälle mit Traktoren gebe es gelegentlich, sagt auch der Vorsitzende des Regionalbauernverbands Starkenburg, Walter Schütz. Er schränkt aber auch ein: Insgesamt seien Konflikte zwischen Autofahrern und Landwirten die Ausnahme. „Man muss Rücksicht aufeinander nehmen“, fordert der 65-jährige Acker- und Weinbauer. „In der Regel klappt es dann auch.“ (dpa)

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