1. Startseite
  2. Politik

„Habeck geht in intellektuelle Insolvenz“: Auftritt bei Maischberger sorgt für Kritik

Erstellt:

Von: Nils Tillmann

Kommentare

Im Gespräch mit Sandra Maischberger kam Wirtschaftsminister Habeck unter Druck. Vor allem eine mögliche Insolvenzwelle war dabei ein heikler Punkt.

Köln/Berlin – Die Opposition hat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Die Grünen) für seine Äußerung in der ARD-Sendung „Maischberger“ harsch kritisiert. In einem Interview mit Sandra Maischberger schien der Minister am Dienstag (6. September) in Erklärungsnot zu geraten, als die Möglichkeit einer Insolvenzwelle aufgrund steigender Energiekosten angesprochen wurde.

Habeck sagte im Gespräch, er könne sich vorstellen, dass „bestimmte Branchen erst mal einfach aufhören zu produzieren“. Dies bedeute aber nicht automatisch eine Insolvenz für die Betriebe, führte er weiter aus. Habeck bezog sich dabei insbesondere auf Betriebe, die von einer „Kaufzurückhaltung“ betroffen sein könnten, wie „Blumenläden, Bio-Läden, Bäckereien“.

Robert Habeck sprach in der Talkshow Maischberger über Atomkraft, die Energiekrise und drohende Insolvenzen im Laufe des Winters.
Robert Habeck sprach in der Talkshow Maischberger über Atomkraft, die Energiekrise und drohende Insolvenzen im Laufe des Winters. © Oliver Ziebe | picture alliance/dpa/WDR

Sandra Maischberger macht Robert Habeck auf scheinbaren Insolvenz-Widerspruch aufmerksam

Als Sandra Maischberger den scheinbaren Widerspruch hervorhob, sagte der Grünen-Minister: „Ich weise darauf hin, dass es nicht automatisch eine Insolvenzwelle geben muss, aber es kann sein, dass sich bestimmte Geschäfte nicht mehr rentieren und die dann eingestellt werden. Vielleicht werden sie später wieder aufgenommen, das kann ja sein“. Das sei dann ja keine klassische Insolvenz, fügte Habeck hinzu.

Der Minister zog auch eine Parallele zu Schließungen aufgrund der Corona-Pandemie in den letzten Jahren. In diesem Fall habe die Politik Kosten vollständig übernommen. Während diese Entscheidung für die Energiekrise noch nicht getroffen worden sei, stellte Habeck auch weitere Unterstützungsmaßnahmen in Aussicht. Diese müssten jedoch zielgenau sein und an der richtigen Stelle greifen, wie der Minister erklärte.

Friedrich Merz wirft Robert Habeck Hilflosigkeit in Krisenzeiten vor

Für seine Äußerungen im Interview wurde Habeck anschließend scharf kritisiert. Bei der Bundestagsdebatte am Mittwoch sagte CDU-Chef Friedrich Merz: „Man kann nur hoffen, dass ein Großteil der deutschen mittelständischen Unternehmer und vor allem der Bäckerinnen und Bäcker um diese Uhrzeit schon im Bett gelegen haben und geschlafen haben und das nicht mit ansehen mussten“. Der Oppositionschef legte außerdem nahe, dass Habeck hilflos in Fragen der Krise sei.

CSU-Generalsekretär Martin Huber nannte den Bundeswirtschaftsminister „weltfremd, abgehoben, planlos“. Auf Twitter schrieb Huber: „Und wenn im Winter zu wenig Strom produziert wird, weil die AKWs 1 Woche zum Hochfahren brauchen, ist das kein Blackout sondern das Licht hört einfach ein bisschen auf zu leuchten, oder was? Habeck geht in intellektuelle Insolvenz.“

In den vergangenen Wochen war Robert Habeck bereits vermehrt in Kritik geraten. Unter anderem war die Gasumlage, mit der Gasunternehmen entlastet werden sollten, ein Streitpunkt. Bislang galt Habeck dennoch als eine der beliebtesten Figuren in der Bundespolitik. Im letzten ZDF Politbarometer vom 12. August landete der Bundeswirtschaftsminister bei einer Meinungsumfrage auf dem ersten Platz, vor den Parteikollegen Annalena Baerbock und Cem Özdemir. (nt/dpa)

Auch interessant

Kommentare