Niedersächsische Schulen

Streit: Soll das Sitzenbleiben abgeschafft werden?

Hannover/Göttingen. Die neue rot-grüne Landesregierung in Niedersachsen möchte das Sitzenbleiben an Schulen abschaffen. Ausgelöst haben sie damit eine bundesweite Diskussion der Bildungspolitiker. Im Pro & Contra äußern sich die HNA-Redakteure Florian Quanz und Ulrich Riedler dazu.

Pro

Den Einzelnen fördern

Sitzenbleiber kosten die Bundesländer jedes Jahr eine Milliarde Euro. Eine Milliarde, die viel besser angelegt werden könnte. Verständlich, dass die neue rot-grüne Landesregierung in Niedersachsen über Alternativen zum Sitzenbleiben nachdenkt.

Die Lösung heißt individuelle Förderung. Lehrer müssen sich endlich mit betreuungsintensiven Schülern auseinandersetzen. Dazu brauchen wir aber mehr Lehrerstellen, Einzelförderunterricht und einen Ausbau der Hausaufgabenhilfe. Was bis jetzt Eltern für viel Geld privat dazukaufen mussten, sollte als Staatsaufgabe verstanden werden. Bildung muss den Bundesländern das Wert sein.

Das Denken von Lehrern, ich lasse den Schüler sitzen und bin das Problem los, muss ein Ende haben. Schüler durchfallen zu lassen, anstatt sie individuell zu fördern, war schon immer eine Bankrotterklärung der Pädagogik. Wichtig ist allerdings, dass in Niedersachsen ein schlüssiges Konzept präsentiert wird. Ein einziger Satz im Koalitionsvertrag reicht nicht aus, um eine bessere Lernumgebung zu schaffen.

Florian Quanz, Politikredaktion

flq@hna.de

 

Kontra

Ansporn zur Leistung

Wie weit wollen wir in Deutschland eigentlich noch das Bildungsniveau absenken? Die öffentliche Debatte und mit ihr in schöner Regelmäßigkeit die Politik orientieren sich zunehmend an den Leistungsschwachen und Förderbedürftigen aus "bildungsfernen" Schichten.

Zugleich sollen die Abiturienten- und Studierendenzahlen steigen, werden daher gute Noten mitunter für eher mittelmäßiges Niveau vergeben, um die Quote zu erfüllen. Mittlerweile müssen bei uns pro Jahr nur noch zwei Prozent aller Schüler eine Ehrenrunde drehen. Dass dennoch zahlreiche Bundesländer das Sitzenbleiben abschaffen wollen, passt ins Bild eines erodierenden Bildungsanspruchs.

Dabei sind Ehrenrunden eben keine verlorenen Jahre. Sie haben auch nichts Ehrenrühriges, bieten die Möglichkeit, Defizite abzubauen. Ohnehin brauchen nicht wenige Schüler das Risiko, das Klassenziel zu verfehlen. Es ist Ansporn, um sich zu fordern. Dass Scheitern zum Leben gehört, sollte Schule nicht ausklammern. Mit leistungsfeindlicher Kuschelpädagogik samt Abitur-Vollkasko ist daher niemandem gedient.

Ullrich Riedler, Politikredaktion

rie@hna.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.