Mitten in ihrer schwersten Krise

Rückenwind für Europa: Nobelpreis für die EU

Flagge zeigen: (von links oben) Deutschland, Frankreich, Slowenien, Zypern, Griechenland und Polen. Fotos:  dpa

Brüssel. Eine Auszeichnung für 27 Staaten und 500 Millionen Menschen – das ist selbst in der Geschichte des Nobelpreises einzigartig. „Als ich heute früh aufwachte, rechnete ich nicht damit, dass dies ein so guter Tag werden würde“, ließ Kommissionspräsident José Manuel Barroso seinen Emotionen freien Lauf.

Eine „unglaubliche Ehre“ jubelte EU-Präsident Herman Van Rompuy. In Deutschland sagt Kanzlerin Angela Merkel (CDU): „Das ist Ansporn und Verpflichtung zugleich - auch für mich ganz persönlich.“ Altkanzler Helmut Kohl (CDU) würdigte die Verleihung des Preises an die EU als kluge und weitsichtige Entscheidung: „Ich wünsche uns Gottes reichen Segen auf unserem weiteren Weg zu einem geeinten Europa.“

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Mitten in ihrer sicher schwersten Krise wurde die EU von dieser Auszeichnung überrascht. „Sechs Jahrzehnte Frieden“ waren für das Preiskomitee Grund genug, die Auszeichnung aus dem Nicht-EU-Land Norwegen nach Brüssel zu schicken. Dabei ging es am Anfang in Europa weniger um Frieden, als vielmehr darum, einen neuen Krieg unmöglich zu machen.

Gesicht Europas: Hier eine Griechin mit aufgemalter Fahne.

Der berühmte Plan des französischen Außenministers Robert Schuman sah nämlich vor, die für die Rüstung zentralen Wirtschaftszweige Kohle und Stahl zu vergemeinschaften und unter die Oberaufsicht einer Verwaltungsbehörde zu stellen, die er Kommission nannte. Diese Montanunion war ein Kind des Krieges. 1957 schufen die Römischen Verträge die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), die 1992 mit der Einführung des Binnenmarktes zur EU mutierte. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks drängten die Warschauer-Pakt-Staaten in die Union. 2004 wuchs die Familie auf 27 an – ein gemeinsamer Markt mit 500 Millionen Verbrauchern, größer als die USA.

Offene Grenzen und gemeinsamer Handel wurden zur Triebfeder der modernen EU. Heute exportiert die Bundesrepublik rund 63 Prozent ihrer Ausfuhren in EU-Länder, jeder sechste deutsche Arbeitsplatz ist vom Binnenmarkt abhängig. Fünf Milliarden Euro überweist Brüssel noch heute jedes Jahr an die Bundesrepublik, um Firmenansiedlungen, Tourismus oder Umweltprojekte zu fördern.

Immer mehr Regionen, darunter Singapur, leihen sich von der Kommission Experten für eine Gemeinschaftswährung aus, um eine Art Asia-Euro zu installieren. Die Afrikanische Union gilt unter Beobachtern als Kopie der EU auf dem schwarzen Kontinent. Welcher EU-Repräsentant den Preis am 10. Dezember entgegennimmt, war gestern noch nicht bekannt. KOMMENTAR

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