Linken-Fraktionschefin Kreszentia Flauger tritt zur Landtagswahl 2013 nicht mehr an

Rückzug nach Hörsturz

Rückzug nach dem zweiten Hörsturz: Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag, Kreszentia Flauger. Foto: dpa

Hannover. Macht Politik krank? Nach dem zweiten Hörsturz innerhalb kurzer Zeit zieht sich Niedersachsens Linksfraktionschefin Kreszentia Flauger aus dem Landtag zurück. Die 46-Jährige begründete dies mit „Stress“.

Prominentes Zugpferd

Bei den Linken löste Flaugers Ankündigung Betroffenheit aus, verliert die Partei damit doch ein prominentes Zugpferd für den Wahlkampf. Denn die gelernte Datenverarbeitungskauffrau aus Wildeshausen galt als linke Spitzenkandidatin für die Landtagswahl im Januar 2013 gesetzt. Scharfzüngig geißelte die Fraktionschefin seit dem Einzug der Linken in den Landtag 2008 immer wieder die Politik der CDU/FDP-Koalition als sozial ungerecht. Konsequentes Eintreten für Arbeitnehmerinteressen machte die frühere Betriebsrätin zu ihrem Markenzeichen. Auch, dass Landtagssitzungen jetzt live über das Internet übertragen werden, schreibt sich Flauger als ihren Erfolg auf die Fahnen.

Zur Landtagswahl 2013 werde sie nicht mehr antreten, erklärte die Fraktionschefin gestern schweren Herzens. „Das tut mir sehr weh.“ Sie wisse, dass sie damit Partei, Fraktion und viele Bürger enttäusche. „Aber ich muss letztendlich an meine Gesundheit denken.“ Vergangene Woche habe sie nach 2010 einen weiteren Hörsturz mit zeitweise totalem Hörverlust erlitten. „Das war schon beängstigend.“ Auf Anraten ihres Arztes werde sie sich daher „für ein paar Wochen ausklinken und danach kürzertreten“.

Den Fraktionsvorsitz will sie bis Ende der Legislaturperiode behalten, erklärte Flauger. Ein widersprüchliches Verhalten mochte sie darin nicht erkennen. In Absprache mit ihrem Co-Vorsitzenden Hans-Henning Adler werde man eine „verträgliche Form der Zusammenarbeit“ finden.

Ihre gesundheitlichen Probleme führte Flauger auf Stress zurück. Die Ursache dafür könne sie nicht klar ausmachen. Es liege aber wohl weniger an den politischen Auseinandersetzungen in der Fraktion und im Parlament als vielmehr an dem immer größeren Tempo in der Politik. Man müsse jederzeit sofort reagieren, es bleibe kaum noch Zeit zum Nachdenken, die Grenzen zwischen Abgeordnetentätigkeit und Freizeit seien längst aufgehoben.

Dinkla rät zur Vorsicht

„Politiker sind keine Automaten, die ständig funktionieren können und müssen“, sagte Parlamentspräsident Hermann Dinkla (CDU) der HNA und riet alle Abgeordneten zur Vorsicht. „Die Gesundheit ist das höchste Gut eines Menschen. Damit muss man sorgsam umgehen.“

Auch die Fraktionschefs von CDU und FDP, Björn Thümler und Christian Dürr, äußerten Verständnis. „Politik ist stressiger, als viele denken und sich vielleicht auch eingestehen wollen“, meinte Thümler und zollte Flauger Respekt dafür, dass sie offen mit ihrem Problem umgegangen sei.

Von Peter Mlodoch

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